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3. 7. 12.
PROF. DR. FREUD WIEN, IX. BERGGASSE 19.Lieber Freund
Es ist sehr schön, daß Sie es in der Praxis so bald bis zum Äußersten gebracht haben, aber nun wenden Sie das Blatt und beginnen Sie, sich des Segens zu erwehren. Die erste Maßregel, wenn sich der Zulauf hält, muß wohl die Erhöhung des Honorars sein, und Sie müssen Zeit finden, zu arbeiten und auszuruhen. Die Antwort auf Ihre Frage, wie ich es mache, um neben der Praxis noch zu schreiben, lautet einfach: Ich muß mich von der Psychoananlyse durch Arbeit erholen, sonst halte ich es nicht aus.
Ihre vortrefflichen Beiträge zum Zentralblatt freuen mich im Interesse der Leser sehr, und mit besonderer persönlicher Spannung sehe ich dem letzangekündigten Paranoiabeitrag entgegen. Es wäre doch schön, wenn wir in dieser Frage recht hätten, und theoretisch bedeutsam. Aber die Imago, die mir ein jüngstes und liebstes Kind ist, nicht zum wenigsten der Redakteure wegen, darf doch auch nicht vernächlässigt werden. Ich arbeite -
S.
mit letzten oder vorletzten Kräften an meinem Artikel über Tabu, der die Inzestscheu fortsetzen soll. Nebenbei hoffe ich, was erst später zum Vorschein kommen soll, Schuldbewußtsein und Gewissen analytisch aufgehellt zu haben.
Besondere Erfahrungen über impotente Fetischisten habe ich nicht. Ihre Prognose ist recht wahrscheinlich, aber es verhält sich doch jeder Fall anders. Mir haben Masochisten schlechte Erfolge gegeben.
Die Schrift von Kronfeld macht jetzt soviel Stimmung gegen uns. Ich finde an ihr nichts als einen rühmenswerten anständigen Ton, die ’Logik’ drin ist nicht der Rede wert.
Könnte Eitingon Ihnen nicht in größerem Umfang Patienten abnehmen? Er hat mir einen Fall geschickt, an dem er unglaublich korrekt begonnen hatte.
Mit herzlichen Grüßen an Sie und Ihr liebes Haus
Ihr getreuer Freud
Berggasse 19
Wien 1090
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C14F26