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S.
3. März 1911
PROF. DR. FREUD WIEN, IX. BERGGASSE 19.Lieber Freund
Ich teile Ihnen mit, daß ich die Leitung der Ortsgruppe Wien wieder übernommen habe, nachdem Adler und Stekel zurückgetreten sind. Adlers Auftreten war mit unseren psychoanalytischen Interessen nicht mehr vereinbar, er leugnet die Bedeutung der Libido und führt alles auf Aggression zurück. Die schädlichen Wirkungen seiner Arbeiten werden auf sich nicht lange warten lassen.
Ich bitte Sie nochmals, die kleine Szene aus Ziehens Klinik dem Zentralblatt zugänglich zu machen. Sie ist zu wertvoll. Fließ dürfen Sie nicht so plump einschätzen, als daß er in der ersten Stunde irgendeine Absicht verraten sollte. Er ist leider das Gegenteil, raffiniert, eher tückisch. Auf seinen Komplex werden Sie gewiß stoßen. Vergessen Sie nicht, daß wir beide an ihm das Geheimnis der Paranoia verstehen gelernt haben (v. Psycho-sexuelle Differenzen). Was Sie über die Natur seiner Forschung schreiben, hat mich als merkwürdig richtig frappiert; ich liebte ihn einst sehr und übersah darum vieles. Hüten Sie sich vor allem vor seiner Frau. -
S.
Stekels Traumbuch ist vor einigen Tagen erschienen. Es wird viel daraus zu lernen sein, viel zu vermissen, manches zu tadeln.Ich mache Sie auf die letzte Nummer des Journal of Abnormal Psychology besonders aufmerksam. Jones ist korrekt und verständig, Morton Prince frech und dumm, Friedländer – das alte Schwein.
Ich danke Ihnen und Ihrer lieben Frau noch für die freundliche Aufnahme, die Sie meiner heute zurückgekehrten Schwägerin bereitet haben.Herzlich
Ihr Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Austria
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C14F25