• S.

          2.2.09
    PROF. DR. FREUD        WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    Lieber Herr Kollege
    Ich danke für Ihre verständnisvolle Rücksicht und beeile mich (relativ), Ihnen zu antworten, daß Ihr Patient essen und sprechen offenbar als Sexualtätigkeit behandelt. Es sind die Bedingungen zu suchen, unter denen seine Einschränkungen sinnreich werden, und ich hoffe, Sie werden die Aufgabe leicht lösbar finden, wenn Sie sich an die von Ihnen sonst so gut verwendete ’Verlegung nach oben’ erinnern und das, was hier als Mundtätigkeit betont ist, auf Aftertätigkeit (natürlich auch das Sprechen) redressieren. Mit dem Schlüssel der Analerotik, die ja bei allen Homosex konstit. verstärkt ist, werden Sie die verschlossenen Türen leicht aufschließen.

  • S.

    Die Eßantipathien sind noch wenig untersucht, haben aber sehr häufig dieselbe Wurzel wie bei Ihrem zweiten Patienten. Sie werden auch mit der Zeit in die unvermeidliche Neigung verfallen, immer mehr vom Sexuellen, vom Detail der Genitalien und der Funktionen abzuleiten.
    Auf Ihre weiteren Nachrichten neugierig
    mit herzlichen Grüßen
           Ihr Freud

    P.S. In wenigen Tagen ist die freudige Unruhe hier im Haus überwunden.