• S.

           11. 4. 11
    PROF. DR. FREUD        WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    Lieber Freund
    Ich gönne Ihnen den wohlverdienten Urlaub. Die Aussichten, die sich in Berlin eröffnen, sind sehr schön. Es war eine außerordentliche Leistung von Ihnen, Ihre Existenz auf die Vertretung der ψA in Berlin zu gründen.
    Weimar ist mir sehr recht, hat auch in der Wiener Gruppe viel Sympathien gefunden. Stekels Traumbuch ist für uns in mancher Hinsicht beschämend, trotzdem es vieles Neue bringt. Ich werde eine eigentlich ungünstige Kritik darüber ins Jahrbuch geben. Er ist leider unerziehbar. In Wien haben wir wenig erfreuliche Verhältnisse und einige ganz närrische Teilnehmer.
    Von den Vereinsneuigkeiten (Amerika, München) werden Sie durch Jungs Anwesenheit unterrichtet sein. Meine Paranoiaarbeit, die Ihre "psychosexuellen Differenzen" wieder aufnimmt, ist bereits gedruckt. Wenn Sie wünschen, kann ich Ihnen

  • S.

    Korrekturbogen lange vor Erscheinen des Jahrbuchs schicken.
    Ich treffe mich zu Ostern mit Ferenczi in Bozen.
    Mit herzlichen Grüßen für Sie und Ihre liebe Frau
           Ihr Freud