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           3. 5. 08
    PROF. DR. FREUD        WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    Lieber und geehrter Herr College
    Ich freue mich sehr, daß Sie Salzburg als eine erfreuliche Begebenheit auffassen. Ich habe ja selbst kein Urteil, da ich mitten drin stehe, meine Neigung geht aber auch dahin, diese erste Zusammenkunft als eine verheißungsvolle Probe zu betrachten.
    Ihre Anfrage kann ich glatt beantworten: Der Kongreß soll überhaupt nicht in der Öffentlichkeit genannt werden. Also auch nicht unter dem Titel Ihrer Publikation.
    In Zusammenhang mit letzterer richte ich aber noch eine Bitte an Sie, von deren Erfüllung vielleicht allerhand abhängen kann. Ich entsinne mich, daß Ihr Vortrag zu einem kleinen Konflikt zwischen Ihnen und Jung

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    geführt hat, wenigstens schloß ich es aus einigen Worten, die Sie nachher an mich richteten. Nun halte ich ja eine Konkurrenz zwischen Ihnen beiden für unvermeidlich, auch für harmlos innerhalb gewisser Grenzen; in der Behandlung der Sache selbst zögerte ich nicht, Ihnen recht zu geben und Jungs Empfindlichkeit auf sein Schwanken zurückzuführen. Aber ich möchte es nicht, daß sich eine ernste Verstimmung zwischen Sie beide dränge. Wir sind noch so wenige, daß Uneinigkeiten, zumal auf Grund persönlicher "Komplexe" zwischen uns ausgeschlossen sein sollten. Es muß uns auch wichtig sein, daß Jung den Rückweg zu der von ihm jetzt verlassenen Auffassung findet, die Sie so konsequent vertreten haben. Ich glaube, es ist Aussicht dafür vorhanden; Jung schreibt mir auch,

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    daß Bleuler sich sehr beeinflußt zeigt und beinahe geneigt ist, die organische Natur der Dementia Praecox wieder fallen zu lassen.
    Sie tun mir also geradezu einen persönlichen Gefallen, wenn Sie Jung von Ihrer Publikation vorher Mitteilung machen und ihn auffordern, seinen damaligen Einspruch, dem Sie Rechnung tragen wollen, mit Ihnen zu erörtern. Eine solche Liebenswürdigkeit wird der keimenden Veruneinigung gewiß ein Ende machen, würde mich sehr erfreuen und mir zeigen, daß wir alle aus der Übung der Psychoanalyse auch praktischen Vorteil für unsere eigenen Seelentätigkeiten zu ziehen im Stande sind. Lassen Sie sich die kleine Überwindung nicht

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    schwer werden.
    Seien Sie tolerant und vergessen Sie nicht, daß Sie es eigentlich leichter als Jung haben, meinen Gedanken zu folgen, denn erstens sind Sie völlig unabhängig, und dann stehen Sie meiner intellektuellen Konstitution durch Rassenverwandtschaft näher, während er als Christ und Pastorssohn nur gegen große innere Widerstände den Weg zu mir findet. Um so wertvoller ist dann sein Anschluß. Ich hätte beinahe gesagt, daß erst sein Auftreten die Psychoanalyse der Gefahr entzogen hat, eine jüdisch nationale Angelegenheit zu werden.
    Ich hoffe, daß Sie meiner Bitte Beachtung schenken werden, und grüße Sie herzlich
           Ihr Freud