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S.
1. 7. 13.
PROF. DR. FREUD WIEN, IX. BERGGASSE 19.Lieber Freund
Ihr Urteil über die Totemarbeit
war mir besonders wichtig, da ich
nach deren Beendigung eine Periode
des Zweifels an Ihr ihrem Werte hatte.
Ferenczi, Jones, Sachs, Rank haben sich
aber ähnlich wie Sie geäußert, sodaß
ich allmählich meine Zuversicht wieder gewann.
Die Art, wie Sie mir den Wert der
Arbeit beweisen wollen, durch Beiträge,
Zusätze und Folgerungen, ist natürlich
die eindrucksvollste. Ich bin auf böse
Angriffe gefaßt, die mich natürlich weiter
nicht beirren werden. Die Kluft gegen
die Schweizer dürfte ordentlich erweitert
werden.
Ich zähle die Tage bis zum Beginn der Ferien,
u siehe, es sind noch 12. Ich arbeite aber
nichts mehr – von den elf Stunden Praxis ab-
gesehen. Am 13. abends fahren wir nach Marien-
bad, 4 Wochen später von dort nach S. Martino
di Castrozza (hinter Trient). Wenn Sie
dorthin kommen wollen, werden Sie auch
Ferenczi treffen, der mit mir am 5./6. Sept
nach München fährt. Es ist wirklich
die einzige Gelegenheit zur Aussprache. -
S.
Frau von Salomé hat, wie sie schreibt, ein
„kleines Ei für die Imago gelegt“. Uns
jedenfalls willkommen. Von Vorträgen
für den Kongreß kenne ich Tausk, über
Narzißmus, van Emden (der jetzt hier ist):
Analyse einer Pseudoepilepsie, Jones über
das technische Verhalten des Analytikers
zu Fragen der Sublimierung, Ferenczi über
ein noch unbestimmtes Thema. Ich werde
nicht sprechen.
Es wäre gut, wenn wir die Zusammenkunft
in München lange vorher arrangieren
könnten. Sollen wir im selben Hotel
oder wo anders absteigen? Ich habe noch
gar keine Mitteilung über den Ort erhalten.
Ich grüße Sie herzlich u wünsche Ihnen
u den Ihrigen den schönsten Verlauf
der wohlverdienten Ferien.
Meine Adresse in Marienbad ist Villa
Turba, doch ist auch die Wiener Adresse
über den ganzen Sommer verläßlich.Ihr Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Austria
Rankestraße 24
Berlin 10789
Germany
C14F26