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S.
Karlsbad, Villa Fasolt
PROF. DR. FREUD WIEN, IX. BERGGASSE 19.
15. 7. 14.Lieber Freund
Heute habe ich Rank einen Brief zur
Zirkulation geschickt, den ich von Pfister
erhielt. Er drückt seine Bereitwillig-
keit aus, sich von Jung zu trennen und
in die Wiener Gruppe einzutreten,
wenn die Züricher den Austritt, den
sie planen, durchführen. So waren wir
also falsch berichtet über ihn, und die
Chancen unsere Absicht zu erreichen,
stehen gut.
Ich habe natürlich nicht die leiseste Absicht,
Reik fallen zu lassen. Vor allem
habe ich ihm 200 Mk. geschickt u ihm brieflich
etwas den Kopf gewaschen. Hoffentlich
nimmt er dann regelmäßig etwas an
u gibt es auf, so konsequent gegen
sich zu arbeiten. Er ist ein guter Kerl,
intelligent u bescheiden. Mit Rank
kann er sich vorerst nicht recht ver-
gleichen. Daß die Vereinigg sehr
viel für Rank getan hat, ist richtig.
Aber R. wäre nicht zu Grunde gegangen,
wenn keiner von uns sich um ihn -
S.
gekümmert hätte. Der hätte andere gefunden;
ich weiß von wenigen, die sich so allgemein
beliebt u verdient machen können.
Rank war auch früher da. Vielleicht hat
Reik da einen Brüdermißgunstkomplex.
Er war erstaunt zu hören, daß er mehrere
Brüder meiner Kenntnis vollkommen
unterschlagen hat.
Ihr Prospekt, auf dem Kongreß einen Preis
für ihn zu beantragen, gefällt mir sehr.
Natürlich nur dann, wenn wir auf
dem Kongreß unter uns sind. Bis
dahin wollen wir ihn eben keine Not
leiden lassen, wenn ich ihn auch nicht
reich machen kann. Bringt ihm die Frau
gar nichts mit?
Wir haben es uns hier sehr behaglich
eingerichtet u zehren das erwartete
Honorar der Trdeutung auf. Es ist
nur fürchterlich heiß, aber wohl nicht
in Karlsbad allein.
Verschonen Sie mich nicht mit Ihren
Nachrichten, die ich immer so schätze, u
halten Sie mich auf dem laufenden
von Ihren Ferienabsichten.
Mit herzlichem Gruß für
Sie mit Frau und Kindern Ihr
getreuer Freud
Villa Fasolt / Villa Schlossberg
Karlovy Vary 36001
Czechia
Rankestraße 24
berlin 10789
Germany
C14F27