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18. 2. 09
PROF. DR. FREUD WIEN, IX. BERGGASSE 19.Lieber Herr Kollege
Daß wir uns sobald in Berlin sehen, ist jedenfalls sehr unsicher und soll mir die angenehme Verpflichtung, mich brieflich mit Ihnen zu unterhalten, nicht erleichtern. Sie wissen ja, durch 9 1/2 Monate bin ich der Sklave des Geldes, das in kleinen Portionen zu erwerben ist und darum eine rechte Groß- und Freizügigkeit nicht aufkommen läßt.
Zuerst Ihre Fragen: Ich meine auch, ein halbes Jahr Interval ist genügend, man darf ja allmählich kühner werden. Die Rücksicht auf Oppenheim wird wenig Erfolg haben, er wird ja doch immer tiefer in die Opposition gehen (ich meine Oppenheim). Die traumatische Neurosen halte ich für schwer angreifbar und abgesehen von einer Bemerkung in der Sexualtheorie weiß ich zu ihrer Anknüpfung an unsere Themata nichts vorzubringen. Haben Sie eine bestimmte Idee, eine Erwartungsvorstellung, die Sie an dieselbe heranbringen können, so sind Sie natürlich im Rechte, es zu versuchen. Die wissenschaftliche Arbeit muß wie die psychoanalytische Technik den Weg des geringsten Widerstandes wählen. - Über Stereotypien wie die Ihres Patienten, der nicht reden will, um nichts Dummes zu sagen, kommt man mit etwas mehr Geduld als sonst auch hinweg, ohne die Technik ändern zu müssen, was immer ein unsicheres Gefühl hinterläßt. Die Abneigung gegen das Reden hat ihren letzten Grund in den beabsichtigten anderen (sex.) Verwendungen des Mundes, und das kann man sagen und auch -
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einige Male wiederholen.
In betreff des Fußfetischismus kann ich Sie zufällig dank einigen Ermittlungen der letzten Tage orientieren. Die Verwendung des Fußes (Ferse, Knie) zur Masturbation ist nicht gerade selten sowohl bei einsamer als mutueller Praxis. Das erklärt aber nur das Element: Fuß in der Symptomatik, nicht den Fetischismus. (In einem meiner Fälle war eine Gehlähmung begreifliche Folge). Der Fetisch kommt so zu Stande: er resultiert aus einer besonderen Art der Verdrängung, die man als partielle bezeichnen könnte, bei welcher ein Stück des Komplexes verdrängt, ein anderes, zugehöriges zur Entschädigung idealisiert wird. (Historische Parallele: Das Mittelalter mit seiner Verachtung des Weibes und Erhöhung der Jungfrau Maria). In unserem Falle handelt es sich um eine ursprüngliche Riechlust am übelriechenden Fuß, (den der Perverse darum stets dem gereinigten vorzieht). Diese Riechlust wird vertrieben, dafür der Fuß, der einstige Spender des Genusses, zum Fetisch erhoben. Von seinem Geruch ist dann nicht mehr die Rede. Ich kenne noch die Kleiderfetischisten, wo die Beziehung noch enger ist. Es sind ehemalige Voyeurs, Entkleidungszuschauer, denen die Kleider dereinst sehr im Wege waren. Der normale Kleiderfetischismus der Frauen hängt ebenso mit dem passiven Schau-, dem Selbstentblößungstrieb zusammen. Ich warte noch auf zahlreichere Beispiele, um diese -
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Ableitung bekannt zu machen, werde ich sehr freuen, wenn Sie unterdes einige Fälle mit diesem Schlüssel aufsperren.
Wenn Sie mit Ihrer Studie über Segantini Ernst machen wollen, so greife ich sofort nach ihr, um die ’Angewandten’ zu schmücken. Traum und Mythus hat allen, die ich gesprochen, einen glänzenden Eindruck gemacht, und diese Zeugen für die Vielseitigkeit Ihrer Leistungskraft machen mich für Sie besonder stolz.
Die Arbeiten, von denen Sie sprechen, habe ich nicht alle bekommen. Für Juliusburgers tapferes Eintreten habe ich dem Autor bereits gedankt. So weiß ich Sie wenigstens nicht mehr ganz isoliert in Berlin. Möglicherweise wird Sie nächster Zeit ein Dr. Weiss aus Wien aufsuchen, der meine Vorlesungen gehört und zuletzt recht gutes Verständnis gezeigt hat. Allerdings steht auch bei ihm die Psychoanalyse nicht voran; er will Frenkelsche Ataxiebehandlung lernen.
Heute kam eine Arbeit von Maeder, französisch, aus dem Coenobium, einer in Lugano erscheinenden Revue, sehr gescheit und mit feinen eigenen Beispielen. Das Jahrbuch soll endlich in der nächsten Woche erscheinen. Es hat Komplikationen -
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im Drucke der Binswangerschen Arbeit gegeben.
Gleichzeitig geht Ihnen ein Sonder-Abdruck aus der ersten
Nummer von Moll zu. Ich glaube nicht, daß sich unsere Beziehungen sonst sehr freundlich entwickeln werden. Das Referat über Hysterie läßt mich ahnen, daß Moll uns in dieser Zeitschrift bekämpfen will und seiner etwas tückischen Natur gemäß eine Verbrämung mit Unparteilichkeit braucht. Manche Stellen im "Sexualleben des Kindes" hätten eigentlich eine Ehrensbeleidugungsklage verdient, werden aber am besten mit – Vorsicht und Schweigen beantwortet.
Jedenfalls, hic niger est, hunc tu Romane caveto.Mit herzlichen Grüßen
Ihr treu ergebener
Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Austria
Schönberger Ufer 22
Berlin 10785
Germany
C14F25