• S.

           9. 3. 09
    PROF. DR. FREUD        WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    Lieber Herr Kollege
    Oppenheim ist zu borniert; ich hoffe, Sie werden ihn mit der Zeit entbehren können. Das Jahrbuch ist ja jetzt in aller Händen, dringen einige Schreie der Entrüstung auch an Ihr Ohr? Für alle Sammelreferate, die jetzt plötzlich emporsprießen, soll uns Ihr Referat im zweiten Halbband entschädigen.
    Von Ihrem Segantini erwarte ich das Beste nach dem Muster von "Traum und Hysterie". Ich weiß, daß dies letztere in unseren Kreisen viel gelesen und sehr gelobt wird. Weitere Kreise haben von den Angewandten überhaupt noch wenig Notiz genommen.
    Jung will am 19. d. M. zu Besuch kommen. Er schreibt mir, daß ein Dr. Häberlin im Sommersemester in Basel ein Kolleg angekündigt hat: "Lektüre von Freuds Traumdeutung". H. ist Dozent der Psychologie und hat eine Erziehungsanstalt.
    Und nun die große Neuigkeit. Ich habe die wiederholte Einladung der Clark University in Worcester, Mass., bei Boston angenommen, in der am 6. September beginnenden Woche zur Feier des zwanzigjährigen Gründungsfestes eine Reihe von Vorträgen dort zu halten und werde Ende August abreisen. Mein Bruder, wahrscheinlich auch Dr. Ferenczi aus Budapest wollen mit

  • S.

    Ich bin auf die Erlebnisse dort und den Erfolg dieser Vorträge sehr gespannt. Man darf gewiß davon erzählen, das Abkommen ist nach menschlicher Voraussicht gesichert. Vielleicht ärgert es einige Leute in Berlin wie in Wien. Das kann nicht schaden.
    Ich weiß, daß Sie sich darüber freuen werden und grüße Sie herzlich
           Ihr Freud