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S.
24.1.95
Liebster Wilhelm
Ich muß mich beeilen, Dir zu schreiben,
was mich so in Verwunderung setzt,
es wäre sonst wahrhaftig undankbar.
Es geht mir nämlich seit einigen Tagen
ganz unglaublich gut, als wäre alles
abgewischt, ein Gefühl, das ich trotz aller
besseren Zeiten seit 10 Monaten nicht
mehr gekan̄t habe. Ich schrieb Dir
letztes Mal, nach einer guten Zeit,
die sich unmittelbar an die Reaktion
anschloß, seien einige wütend schlechte
Tage gefolgt, in denen mir eine Cocainisirg
der linken Nase überraschend wol
that. Ich setze nun den Bericht fort. Am
nächsten Tag hielt ich die Nase unter
Cocain, was man ja eigentlich nicht
soll, dh: pinselte wiederholt, damit
sich keine Verschwellg wiederherstelle,
während dieser Zeit entleerte ich
eine für meine Erfahrung reichliche -
S.
Menge von eingedicktem Eiter, und
seither geht es mir eben so gut, als
wäre nie etwas gewesen. Arrythmie
ist noch vorhanden aber selten u
nicht arg, die äußere Druckempfindich-
keit ist gering, die Sensationen
zwischen 0 und -0. Ich schiebe den
ausgiebigeren Ausdruck meiner Dank-
barkeit u die Discussion, welchen Antheil
die Operation an der unerhörten
Besserg genom̄en, auf, bis wir weiteres
erlebt haben.Jedenfalls widme ich Dir hiemit eine
neue – Erfindung, die mich mehr aus
dem Gleichgewicht bringt als manches
andere vorher, gegen die ich noch
nicht kühl geworden bin. Es ist die Erklärg
der Paranoia, meine Empfindgen sind
sämtlich so unpraktischer Natur.
Sag mir Deine Meinung darüber;
bis dahin bin ich wol auch zur
Ruhe gekom̄en. -
S.
Wie wäre es, wenn Du mit Gersuny
vorher einen Versuch am Praeparat
gemeinsam machen würdest? Er soll
sich nachdem die anfängliche
Verzögerg überwunden war, intensiv
mit der Sache beschäftigt haben,
berichten Breuer u Rie.Es trennt uns nur noch 1 Woche von
der Operation oder wenigstensvon
ihren Vorarbeiten. Die
Zeit ist schnell vergangen und ich
weiche gerne einer Selbstprüfg aus,
mit welchem Recht ich soviel von
ihr erwarte. Meine medizin
Unwissenheit drückt mich wieder
einmal tüchtig. Aber ich wiederhole
mir’s im̄er: soweit ich etwas von
der Sache einsehe, muß die
Heilung auf diesem Weg zu
finden sein. Ich hätte mich nicht
getraut, den Behandlungsplan selbständig
zu erfinden, aber ich habe guten Muth, -
S.
mich Dir anzuschließen.
Frau Neuman̄ soll willkom̄en sein;
wen̄ sie Geld und Geduld mitbringt,
werden wir eine schöne Analyse
von ihr machen. Fällt dabei etwas
Therapie für sie ab, dan̄ kann
sie ja auch vergnügt sein.Paschkis werde ich einen kleinen
Stoß geben. Ich finde es nicht
artig, habe aber in Wien schon
ähnliche Erfahrgen gemacht.Ich erwarte jetzt nur noch einige
Zeilen, in denen Du Deine
Ankunft ankündigst.Mit herzlichem Gruß an
Deine liebe Frau von
mir u MarthaDein Sigm
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Oeration [an Emma Eckstein]
Behandlungsplan [für Emma Eckstein]
Berggasse 19
Wien 1090
Österreich
Von-der-Heydt-Straße 1
Berlin 10785
Deutschland
C26F7