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IX. BERGGASSE 19.7. 3.97
Theurer WilhelmDeine Frau ist wieder einmal
als Meteor bei uns aufgestiegen
u hat wie gewöhnlich Alle u Alles
überstrahlt, so daß die Anderen
neben ihr den Eindruck machten
von jenen augenlosen Fischen,
die in der Meerestiefe leben.
Ich habe leider sehr wenig von ihr
gesehen; sie hat mich todtmüde
gefunden, wie es meine 10-11
st. Tagesarbeit jetzt mit sich bringt.
Sie hat mir verrathen, daß Du
viel Neues gefunden hast u Dich
sehr auf Ostern freust. Wenigstens
das Letztere ist auch mein Fall.
Es ist noch lange hin.Ich habe längere Zeit geschwiegen,
weil ich merkte, daß Du meine -
S.
detailüberfüllten Briefe jetzt
nicht beantworten kan̄st, weil
ich mich vor dem Congreß nicht
ganz ausgeben will u weil
ich – wiederum – sehr müde war
(überdeterminirt!). Jetzt habe
ich eine weit bessere Zeit.Ich bin noch im̄er mit keinem
Fall fertig, kämpfe noch im̄er
mit Schwierigkeiten der Behandlg
u des Verständnißes, die mir
je nach Stim̄g größer oder
kleiner erscheinen. Im Ganzen
hält es die Constitution noch aus.17 März
Wie sehr Dein herrliches Gleichniß
von den sterbenden Spartanern
mich ergreifen wird, kon̄test
Du wol nicht ahnen. Es hätte mir
auch sonst Eindruck gemacht
traf mich aber, als ich gerade -
S.
meine an einer septischen Diphth
erkrankte Mathilde verloren
geben wollte, u hat mich getröstet.
Heute scheint eine große Besserg
eingetreten zu sein, die uns
mit Hoffnungen erfüllt. Onkel
Rie thut wirklich alles Mögliche
und zeigt sich dan̄ im̄er von
seinen besten Seiten. Injektion
nach Behring haben er und Kassowits
abgelehnt.Ich hoffe der Verlauf stört
mir die Aussicht Dich Ostern
in Prag zu treffen, nicht. Für
jetzt schließe ich, um den
lange wartenden Brief
endlich befördern zu können.Herzlichsten Gruß
Dein Sigm
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