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S.
20/XII 98
Theurer WilhelmIch hoffe Du rufst mich Sonntag
Mittag an u sagst mir dabei,
wan̄ Du frei bist. Am liebsten
wäre es mir natürlich, wen̄
wir beide Wien verlassen
könnten, sei es auch nur für
1/2 Stunde Weg (Baden).
Doch getraue ich mich nicht
durch verschiedene Anzeichen
gewarnt, Dir ein festes „Program̄"
vorzulegen. Dein Kopf, Dein
Belieben u die Rücksicht auf die
Deinigen werden die Entscheidg
haben. Meine Frau macht sich
selbst Hoffnung Euch Mittwoch
Abends in einer kleinen Ge-
sellschaft bei uns zu sehen.
Ich bin bescheidener, ich will -
S.
Dich nur den Montag über frei
haben, den̄ am Dienstag usw
muß ich wol wieder ins Joch,
die 70 fl verdienen, die es jetzt
täglich giebt.Selten sind mir 3 getrennte
Monate so lang erschienen
wie diese letzten. Von Deinem
Befinden schreibst Du gar
nicht, offenbar um mich nicht zu
beleidigen. Da pflege ich
rücksichtsloser zu sein.Ich werde mich freuen, von
Deinen Umsturz- u Aufbau-
plänen zu hören; in mir ist
es ja bescheidener geworden.
Allerlei misfällt mir am Leben,
das ... ist unbefriedigt.
Wien stinkt zum Him̄el u stinkt
mir innerlich unerträglich.
Es ist zu dum̄, daß mir all
die Dinge einfallen, wen̄
ich endlich einmal wieder Gelegenheit
habe, mich zu freuen. -
S.
Mein Schmärnchen „Das Bild des
Signorelli" liegt gedruckt vor,
aber noch nicht im S.A.
Weitere Arbeitslust habe ich
nicht in mir entdeckt.Von Martin wirst Du ein neues
Gedicht auf den Mai vorfinden,
das wirklich sangbar so anfängt:„Maikäfer fliegen in bläulicher Luft,
Blumen verbreiten stets süßesten Duft uswAuf Wiedersehen in
wenig Tagen
Dein Sigm
Berggasse 19
Wien 1090
Österreich
Von-der-Heydt-Straße 1
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