• S.

    7.XII.98

    Theurer Wilhelm!

    Damit keine dritte Kreuzung vorfällt,
    antworte ich „postwendend". Ich glaube
    Dir – wie im̄er –, daß Du die Voraussicht
    einer besseren Zeit hast u meine
    Bösigkeit läßt sichtlich nach. Wenn
    Du also kom̄st u offenbar nicht weit weg
    reisen willst, so werden wir die Wal
    des Congreßortes bald entschieden
    haben. In Berlin hätten wir mit einander
    weniger gehabt, ich hätte quoad Paulinchen
    u meine kranke Schwester profitirt.
    An meiner elenden Stim̄g, die ich Dir
    wahrscheinlich nicht verbergen kann,
    ist nebst dem beredeten Faktor, der mich

  • S.

    böse gemacht hat, noch zweierlei schuld,
    die Monotonie der schwere Geschäftslage
    u die entsetzliche Ödigkeit der Literatur
    über denTraum, die doch gelesen werden
    muß. Wenigstens ist es das, was anders ist als
    sonst. Kinder gedeihen, das Haus geht gut. 
    Wien u die Verhältniße hier sind mir
    beinahe schon physisch zuwider; Das heißt
    wol einfach man wird alt, nervös, 
    i. die Constitution läßt nach. Sie war
    der Auffrischg durch psychische Eindrücke
    im̄er sehr zugänglich. Darum freue ich
    mich riesigst auf Weihnachten.

    Grüß mir Frau u Kinder
    Dein Sigm