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S.
Dr. Sigm. Freud
Docent für Nervenkrankheiten
a. d. Universität.
Wien, ...................
IX., Berggasse 19.22.7.99
Theurer WilhelmHeute abds reise ich. Mit dem
Herannahen des Termins bin ich
frisch und heiter worden. Natürlich mache
ich mir Vorwürfe, nicht nach Berlin
gefahren zu sein. Du hast es nicht
energisch genug geforden. Aber beim
Sept bleibt es. Obwol ich mit
Deinem Program̄ nicht ganz ein-
verstanden bin u zu gerne,
was ich ja überhaupt leichter fasse,
die Geometrie vor Deiner
Algebra kennenlernen möchte.Zur Beantwortung Deiner Fragen.
Martha hat Mittwoch 26. /7 Geburts-
tag. Mit dem Tr steht es so. Es hat
ein erstes in die Literatur
einführendes Kapitel gefehlt, das
Du, wen̄ ich nicht sehr irre auch
verlangt hast, um das -
S.
Weitere zu entlasten. Dieses ist
geschrieben worden, wurde mir sehr
sauer u ist nicht sehr befriedigend
ausgefallen. Die meisten Leser
werden in diesem Dornengestrüpp
steckenbleiben u Dornröschen
dahinter gar nicht zu Gesichte be-
kom̄en. Das andere, was Du ken̄st
wird einer nicht eingreifenden Durch-
arbeitg unterzogen. Was die Literatur
behandelt, kom̄t heraus, einzelne
detaillirte Beziehgen auf die Literatur,
die ich erst jetzt ken̄en gelernt, werden
eingestreut, neue Trbeispiele zur
Illustration eingeschoben, was alles
nicht viel ausmacht. Dann wird
der letzte psychol Abschnitt neu gemacht,
die Wunschtheorie, die ja das Bindeglied
zu dem Folgenden wird, einiges
von Annahmen über den Schlaf
die Abrechnung mit dem Angsttraum
die Verwicklg zwischen dem Wunsch -
S.
zu schlafen u dem Unterdrückten. Viel-
leicht alles mehr andeutungsweise.
Nun verstehe ich nicht, was u wann Du
es sehen willst. Soll ich Dir dieses
I. Cap schicken? Und dan̄ auch die
fortlaufende Umarbeitg, ehe ich sie
in Druck gebe? Du würdest Dich
ohne Genuß sehr belasten. Mir
wäre es ja nur Genuß, wenn Du
Dich noch darum kümmertest.An den Bedinggen der Publikation
ist nichts geändert worden. Deuticke
wollte das Buch nicht abgeben
u so habe ich mich entschloßen, durch
nichts zu verrathen, wie sauer
mir der Entschluß geworden ist.
Es wird immerhin ein Stück vom ersten
Drittel der großen Aufgabe erledigt
sein, Neurosen u Psychose in die Wissen-
schaft einzureihen durch die Lehre
von Verdrängg und Wunscherfüllung. -
S.
1) Das Organisch-Sexuelle, 2) das Faktisch-
Klinische, 3) das Metapsychologische
daran. Die Arbeit ist jetzt im
zweiten Drittheil, über das
erste müßen wir noch viel ver-
handeln, wenn das dritte erreicht
ist (Rom, Karlsbad) will ich mich
gern zur Ruhe legen. Die
Zuversicht in Deinen Äußergen
hat im̄er etwas äußerst Wolthuendes
für mich u wirkt excitirend für
längere Zeit.Nun möchte ich auch bald Genaues
von Dir u den Deinigen hören
Ich werde von B. schreiben, so oft
ich die Lust verspüre u das wird
nicht selten der Fall sein.Mit herzlichstem Gruß
Dein Sigm. -
S.
Sag Deiner lieben Frau, daß
ihre Beobachtgsgabe sich glänzend
erweist. Der kleine Norbert,
den ich unlängst wieder bei der
Fütterg brüllen gehört habe, ist
exquisit hysterisch, verliebt –
aber in den Vater, anstatt wie
er sollte in die Mutter, dabei
ängstlich gedrückt u in der
Sprache entschieden zurückgeblieben.
Er sieht übrigens gar nicht wol
aus, hat auch rachit. Symptome.
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