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S.
18 Juni 97
Theurer Wilhelm
Grund- u bodenlose Faulheit
intellektueller Stillstand, Som̄er-
oede, vegetatives Wohlbefinden –
dieß die Ursachen dafür, daß
ich Dir auf einen sehr interes-
santen Brief nicht geantwortet
u auch keinen neuen geschrieben
habe. Seit dem letzten Schub hat sich
nichts gerührt u nichts geändert
ich erin̄ere mit Behagen eine
Erwähng des nächsten Congresses
aus Deinem Brief, dessen
Kosten Du aber – bis jetzt –
allein zu tragen h ttest. Hoffent-
lich hast Du nicht daran gedacht
daß die Majorität, mit der ich
am 12/6 vorgeschlagen worden,
mich zu stolz zum Briefschreiben
gemacht hat. -
S.
Meine Schreibunlust ist in solchen
Zeiten geradezu pathologisch;
zum Reden habe ich gerade
Anlässlich genug. Außer Vorlesg
u 6 Curen mein Schüler Dr Gattel
der mir durch seine Intelligenz
sehr gefällt u viel Zeit in
meiner Gesellschaft zubringt.
Natürlich kam zuerst seine eigene
gut beherrschte Neurose zum
Vorschein. Er ist sehr empfindlich
übermäßig besorgt um seine
Zukunft, was ich anfangs als
Ängstlichkeit nahm, was sich
aber später als Bedürfniß
nach Selbständigkeit u Horror,
von seinem Vater etwas
zu brauchen, enthüllte.
(Es klingt an den Prostitut-
roman an.) Sonst ist er
aber lieb und wacker -
S.
u ich denke, wenn er bei der
Sache bleibt, klopf ich bei Dir
um eine Zusage an, ihn Dir
als neurolog. Gehilfen zu
attachiren u in die Praxis
einzuführen. Geht er nicht
weit mit, dann nicht.Ich sehne mich sehr nach dem
Ende der Saison. Vom 26-29
Juni will ich wieder in Aussee
sein. Allmählich wird man die
Frage in Angriff nehmen
dürfen, wan̄ wir uns im
Som̄er sehen können. Ich
brauche einen neuen
Impuls von Dir, nach einer
Weile geht er mir aus.
Nürnberg hat mich für
2 Monate in Gang gebracht. -
S.
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