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S.
Wien 9. 6. 96.
Liebster Wilhelm
Ich könnte jetzt sagen: Eigentlich ist
unser nächster Congreß überflüssig,
denn ich habe Dir gar nichts zu erzählen
u was Du mir nach den Andeutungen
Deines Briefes erzählen willst, habe ich
schon gewußt. Ehe Du Dich von Deinem
Erstaunen erholst, will ich den Scherz
in Ernst umsetzen: ich habe Dir wirklich
nichts zu sagen (als etwa die Auflösg.
der Geschichte von der Eckstein mit
ihren Blutungen), u von Deinen
Entdeckgen u habe ich nur gewußt,
daß Du sie machen wirst. Du hast
mich nicht überrascht, aus der Klaue,
die Du mir in Dresden gezeigt,
habe ich mir die richtige Vorstellg
vom Bau des Zukunftsthieres gebildet. -
S.
Ich werde also in Wirklichkeit nicht
gehindert sein, mich auf die
detaillirte Mittheilg Deiner Be-
funde ebenso wie auf das Wieder-
sehen mit Dir zu freuen. Also
noch einige Wochen; ich schreibe
unterdeß Kinderlähmungen.
u finde das Leben fern von
allem Lieben sehr langweilig.Ich habe um meine Terminzeit
keine Zustände gehabt, bin ich
aber dafür in einer sehr blöden
Periode. Darum antworte ich auch
nicht ordentlich auf Deine Frage:
Tic u Verdrängg? Mir ahnt nämlich
ein Unterschied zwischen Zwang
und Abwehrwirkg, die Bedeutg
der Thatsache, daß Angst entsteht
wenn man Tic unterdrücken soll.
u die Analogie des Tic mit den
hyst. Symptomen der Kinderzeit -
S.
von 8-Pubertät; also eine doppelte Art
der Abwehr, eine automatische u
eine vom Ich ausgehende psychische.
Aber noch keine Klarheit.DeineVerwunderg, daß die Dinge noch
niemand bemerkt hat, theile ich
aber gar nicht ein. Mein Urtheil
über die geistige Potenz des homo
sapiens communis steht seit langem
fest, weicht aber doch vom Deinigen
nicht erheblich ab?Laß Dich von RW weiterhin auf-
klären und schreib mir bald,
daß Du auch bessere Tage hast.
Das bleibt ein arger Schatten.Mit herzlichstem Gruß für Dich
IF u RW
Dein Sigm
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