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Facsimile des Breifes mit Anhang (Manuskript L) findet sich unter 1897-101/1897:
Wien 2 Mai 97
Theurer Wilhelm
Karte und Telegram̄ unterdeß erhalten u bedauert
daß der Congress Dir nicht gebracht was er mir hat,
Verjüngg und Auffrischg. Ich bin seither in continuirlicher
Euphorie u arbeite wie ein Jüngling. Wie Du aus dem
Beigelegten errathen wirst, consolidiren sich meine
Erwerbungen. Ich habe zuerst eine sichere Ahnung von
der Struktur einer Hy gewonnen. Alles geht auf
die Reproduktion von Scenen. Die einen sind direkt
zu bekom̄en, die anderen nur über vorgelegte
Phantasien. Die Phantasien stam̄en aus nachträglich ver-
standenem Gehörten, sind natürlich in all ihrem Material
echt. Sie sind Schutzbauten, Sublimirungen der Fakten,
Verschönerungen derselben, dienen gleichzeitig der Selbst-
entlastg. Ihre accidentelle Herkunft vielleicht von den
Onanierphantasien. Eine zweite wichtige Erkenntniß sagt
mir, daß das psych. Gebilde, welches bei Hy von der
Verdrängg betroffen wird, nicht eigentl die Erin̄erg sind,
den̄ kein Mensch ergiebt sich ohne Grund einer Erin̄ergs-
thätigkeit, sondern Impulse, die sich von den Urscenen
ableiten. Nun überschaue ich, da alle 3 Neurosen, Hy, Zw u Par
dieselben Elemente aufweisen (nebst ders Aetiologie)
nämlich Erin̄ergsstücke, Impulse (von den Er abgeleitet) und
Schutzdichtungen, aber der Durchbruch zum Bew, die Compromiß-
also Symptombildg geschieht bei ihnen an verschiedenen
Stellen; bei Hy sind es die Erin̄ergen, bei Zw die perversen
Impulse, bei Par die Schutzdichtgen (Phantasien), die unter
Compromißentstellg in's Normale durchdringen.Darin erblicke ich einen großen Fortschritt der Einsicht,
hoffentlich scheint es Dir ebenso.Noch eine Bestätigg meiner Hy Urgeschichten. Bei G. hatte
ich schon vor Wochen herausgebracht, daß seine Verstim̄g
eine Verstim̄g des Vaters kopirt, die vorfiel, als
er selbst nicht ganz 2 J. war. Dieß ließ sich so feststellen:
Die Verstim̄g des Vaters hängt mit einer Erkrankg
ders zusam̄en, die auf eine alte Lues hinweist. (Der
Alte zeigt wirklich doppels. Ptosis). Der Man̄ macht eine
Einreibgskur durch, die ihn impotent macht u zur Melanch.
disponirt. Die Unterbrechg im ehelichen Verkehr
benützt ein anderer, um sich an die junge Frau
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anzumachen, weshalb der Mann, als die Gravidität seiner
Frau kund wird, seine Vaterschaft in Zweifel zieht
u an Ehescheidg denkt. Nun ist das betreffende Kind
2 1/2 J. jünger als mein Patient; die Vorfälle gehören
in die ersten Monate der Gravidität, also während
er 21-24 M. alt war. Nun ereignet sich folgendes:
Der Vater heute 62 J alt, sagt seinem Sohn, mit dessen
Befinden er unzufrieden ist: Siehst Du, das kom̄t
davon, wen̄ man fremde Ärzte consultirt. Ich
war ja auch einmal deprimirt, vor 35 J, da warst Du
noch nicht 2 J alt, bin zum Hausarzt gegangen, der
hat mich auf sechs Wochen weggeschickt u gut war's.
Auch sonst geht es uns jetzt recht gut. Ich wollte Dich
noch fragen, ob es Dir recht scheint, daß man Martin
Ausräumg des Rachens u Tonsillotomie in leichter
Narkose macht u ob Du Dr Laufer nicht contraindicirt
findest. Ich bitte Dich um Äußerg, ich bin zusehends
ängstlich worden in diesem Jahr.Am 15 Mai wollen wir nach Aussee, wo wie Du Dich
erinnerst, ein Gasthäuschen auf Euch wartet. Ein
Brotmodell kann ich Dir noch nicht einschicken. Meine
Genesung erstreckt sich erst auf das unbew Arbeiten,
vom Bew aus kan̄ ich es noch nicht.Ich hoffe Du hast es endlich an den Seen schön gefunden.
Den Tadel über Venedig verzeih' ich Dir auch nicht
leicht, aber ich verstehe ein bisschen die Harmonie
u den strengen Aufbau nach den schönsten Pro-
portionen in Deinen psychischen Vorgängen.Herzl Wunsch für schöne Tage
Euch beiden
Dein Sigm -
S.
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S.
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