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S.
Wien 2.4.96.
Theurer Wilhelm
Morgen wandert Dein Buch zu
Deuticke. Ich habe so eben durchge-
lesen u mich sehr damit gefreut.
Wir sprechen ja bald darüber. Es ist mir
eineHerzensangelegenheit zu sehen,
daß Du im Stande bist, für meine
Vorläufigkeiten die Realia einzu-
setzen. Die Tren̄g von Neurast u Angst-
neurose wird sich so vielleicht auch durch
die Organvorgänge rechtfertigen
lassen; ich habe sie nach einer Art
von klinischem instinkt vorgenom̄en.
Den Vorgang bei der A habe ich mir
im̄er wie die Neurosen überhaupt
als Intoxication vorggestellt, auch
oft an die sympt. Ähnlichkeit von
Angstn u M. Basedowii gedacht,
die Du vielleicht noch berühren kannst. -
S.
Gewiße praktische Bedenken zur Geschichte
Deiner I. F., (die Du noch besser ver-
hüllen solltest, damit man Ida nicht
erkennt) theile ich Dir mündlich
mit.Ich kom̄e im Ganzen mit der Neurosen-
psychologie sehr schön fort, habe
allen Grund zufrieden zu sein
Ich hoffe Du leihst mir Dein
Ohr auch für einige metapsych.
Fragen.Die Aussicht auf Ostern hat mir
die ganze Zeit verschönt. Nun
hoffe ich wir treffen uns, wie Du
es vorschlägst, ohne jedes Hinder-
niß. Ich richte mich nach Deinem
Telegram̄, reise jedenfalls
Samstag abends. Bin ich vor Dir
in Schandau oder Dresden? -
S.
Wen̄ uns beiden noch einige Jahre
ruhiger Arbeit vergönnt sind, werden
wir sicherlich etwas hinterlaßen,
was unsere Existenz rechtfertigen kann.
In diesem Bewußtsein fühle ich mich
stark gegen alle Sorgen u Mühen des
Tages. Ich habe als junger Mensch keine
andere Sehnsucht gekannt als die
nach philosoph. Erkenntniß, u ich bin
jetzt im Begriffe sie zu erfüllen,
indem ich von der Medizin zur
Psychologie hinüberlenke. Therapeut
bin ich wieder Willen geworden; ich
habe die Überzeugg, daß ich Hyst
u Zw. definitiv heilen kann, gewisse
Bedinggen der Person u des Falles
zugegeben.Also jetzt auf Wiedersehen.
Wir haben uns die schönen Tage -
S.
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