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S.
Du hast lange nicht geschrieben u da geht
es Dir entweder so gut, daß Du
sehr viel arbeiten kannst, oder echt
schlecht, u diese Unsicherheit der Deutung
verstört mir sehr die Gegenwart. Wissen-
schaftlicht bin ich seit dem Congreß zwar
entladen, aber persönlich wäre mir ein
nächster sofort wieder Bedürfniß.Ich habe eine etwas blöde Zeit
hinter mir,28/4 in der doch Einiges sich
ereignet hat, was auch in Zusam̄en-
lange mit meinem Schweigen steht.
Es zieht sich nur so langen hin, daß ich
Dich nicht auf die Vollendg warten
lassen will. Zunächst mit der Eckstein.
Ich werde Dir nachweisen können,
daß Du Recht hast, daß ihre Blutungen
hysterisch waren, aus Sehnsucht erfolgt -
S.
sind u wahrscheinlich zu Sexualterminen.
(Das Frauenzimmer hat mir aus Widerstand
die Daten noch nicht besorgt).Ferner habe ich mich in das Problem
der Neuronenbewegung geradezu verbohrt
u bin nach den unglaublichsten Versuchen
von Deinen chemischen Theorien angeregt
auf eine gleichfalls chemische Auffassg
gekom̄en, die mir Vertrauen einflößt.
Sobald die Geschichte zusam̄engeht,
sollst Du sie haben. Wann das sein
wird, weiß ich freilich nicht.Zu den Terminsachen habe ich noch
nichts beibringen können. Du
wirst auch kaum etwas erwartet
haben. Deine Isolirgsrathschläge
habe ich am vollständigsten von
allen befolgt. (Es erinnert dieß
an die Anekdote, wie der Arzt
dem alten Schlemmer sagt: Lieber
Freund, jetzt ist es nichts mehr mit
Wein, Weib und Gesang, und -
S.
der zur Antwort giebt, Gut, werd' ich
nicht mehr singen). Ich habe Breuer
noch nicht gesehen u mir das Schimpfen
ganz abgewöhnt. Ein Vortrag über
Aetiologie der Hysterie im Psych. V.
fand bei den Eseln eine eisige
Aufnahme u von Krafft-Ebing die
seltsame Beurtheilg: Es klingt
wie ein wissensch Märchen. Und
dieß, nachdem man ihnen die Lösg
eines mehrtausendjährigen Problems,
ein caput Nili aufgezeigt hat.
Sie können mich Alle gern haben,
euphemistisch ausgedrückt.Annerl hat heute beschwerdefrei
den ersten Zahn produzirt, Mathilde
geht es unvergleichlich besser, seitdem
sie aus der Schule genom̄en ist.
Oliver hat unlängst auf einem Frühlings-
ausflug ernsthaft gefragt, warum
der Kuckuck im̄er seinen eigenen
Namen fruft. Ich hoffe, RobertWilh -
S.
wird frühzeitig hinter das Geheimniß
der Namengebung kommen.Meine französ Arbeit hast Du
wol bekom̄en. Die deutsche erscheint
doch hoffentlich in den ersten
Maitagen.Sei mir herzlich gegrüßt u
theil mir baldigst mit, daß Du
keinen Kopfschmerz gehabt hast.
Wen̄ ich über dieses Thema sowenig
schreibe, so ist das Bewusstsein
meiner Hilflosigkeit schuld.
Deine Liebe Grau soll auch
nicht ganz an uns vergessen.
Dein Sigm
Berggasse 19
Wien 1090
Österreich
Von-der-Heydt-Straße 1
Berlin 10785
Deutschland
C26F12