• S.

    Dr. Sigm. Freud
    Docent für Nervenkrankheiten
    a. d. Universität.
    Wien,...................
    IX., Berggasse 19.

    7 .XII.1901

    Theurer Wilhelm

    Frau Eberlein hat eben Abschied
    genommen. Meine Besorgniße, die ich
    Dir nach 2 Wochen äußerte, waren
    nicht ganz ungerchtfertigt. Der
    Mann hat, wie Du weißt, die
    Behandlung durch gewaltätigen Eingriff
    gestört, den er mit Rücksichten auf
    Geld u Zeit motivirte, wiewol
    diese – ganz im Einklang mit Deinen
    Aufklärungen – nur vorgeschoben
    sein dürften, um Eifersucht zu
    maskiren. Zuletzt kam noch ein
    Brief, der es unmöglich machte
    die zugestandene Verlängerung b
    is zum 19 dM auszunützen. Ich rieth
    selbst zur sofortigen Heimfahrt.

  • S.

    Der Mann hat sich im Ganzen so beleidigend
    gegen mich benom̄en, daß viel
    Überwindung dazu gehört nicht hat, es
    so lange mitzumachen.

    Die Cur war so kurz – 10 Wochen –, daß
    von einem Dauererfolg keine Rede
    sein kann. Die Gestaltung der
    nächsten Zeit für die Kranke kann
    ich auch nicht vorhersagen. Andererseits
    ist die Sache so glänzend gegangen,
    daß die Arbeit unmöglich fruchtlos
    beiben kann. Nach Ablauf des jetzt
    entfesselten Sturmes wird sich der
    erzielte Effekt wol feststellen
    lassen.

    Es war jedenfalls die bestgeeignete
    u interessanteste Person, dich ich

  • S.

    Deiner Empfehlung verdankt habe.
    Daß es nicht besser ausgegangen ist, dafür
    können wir wol beide gleich wenig.
    Die Übertragung des Zutrauens
    von Dir auf mich ist dem Herrn
    Prof. Eberlein eben nicht gelungen.

    Ich passire eben durch eine schwierige
    Region des Zufalls; da ereignen
    sich für mich vorwiegend unangenehme
    Dinge. Ich übe micht fortdauernd im
    Ertragen.

    Nochmals also herzlichen Dank!
    Dein Sigm