• S.

    4. Juni 96.

    Theurer Wilhelm

    Sturm! In diesem Monat noch
    sollen wir uns sehen, uzw in Berlin?
    Das ist eine Verlockung. Allein 
    man muß ihr widerstehen. Im Juni
    verliere ich noch soviel per Tag
    an 4 Patienten, die im Juli nicht
    mehr zu haben sind. Der Hausvater,
    der seine mühselig erworbenen
    16-17 Mille voll aufbraucht, darf also
    nicht. Dann gegen Berlin. Hast Du vergessen,
    daß die Congresse weder in W. 
    noch in B. stattfinden sollen, da wir
    an diesen beiden Orten Arbeiter
    sind, die sich nicht frei machen können?
    Was ich beim Ausschluß von B. verliere,
    will ich mir so einbringen, daß ich
    nächstes Mal Dich von Hause abhole 
    Ida die Hand u RW auf die Stirne
    küße und dan̄ 2-4 St. weit mit Dir
    etwa an eine Ostseestation reise.

  • S.

    Daß Martha mitkom̄t zur Neutralisrg
    u Befriedigg Deiner Frau, schließt
    sich leider für jetzt aus. Sie geht
    morgen mit den Kindern nach 
    Aussee u ist ohne Fräulein.

    Du hast gewiß eine recht schlechte Zeit
    hinter Dir nach der Brieflücke 
    zu schließen; aber, was mußt Du alles
    gefunden u errathen haben! Ich
    freue mich ordentlich darauf. Von
    mir wirst Du Enttäuschg erfahren.

    Die Zeit hat mich intellektuell wie
    moralisch an den Rand der Kraft-
    losigkeitgebracht, u jetzt habe ich die
    Nn̄ u die ψ wegthun müssen, um die
    Kinderlähmgen zu schreiben, die
    bis August zu Ende sein müßen.

    Nur von der letzten Aufklärung – 
    Hy bis vier J.- habe ich mich seither
    überzeugt; das Fehlen der über-
    setzenden Wortvorstellgen gilt
    auch nur für diese Lebenszeit.

     

  • S.

    Mit Löwenfeld ist es so: Seinen Aufsatz
    hast Du ja gelesen. Meine Bemerkg
    „Coitus-Periodicität" gehört meiner
    Erwiderg
    an (p 9-10). Plag Dich nicht viel
    damit.

    Im Juli denke ich mich also loszureißen 
    Wenn Du gegen die See bist, irgend
    eine andere Stadt: Magdeburg,
    Danzig. Ich habe es wirklich nötihg,
    erkenne mich oft selbst mcht mehr. 
    so haben mir die Erfahrgen mit
    Collegen u Patienten – doch eigentlich
    lächerlicher Weise – zugesetzt. Ich
    glaube, das Herz leidet darunter
    mehr als unter dem Tabak;
    es benim̄t sich übrigens hochan-
    ständig. 

    Breuer habe ich außer einen Moment
    bei der Hochzeit nicht wieder 
    gesehen, auch kein Bedürfnis 
    weiter. 

  • S.

    Die Termine der Eckst. sind leider nicht
    zu haben, da sie im Sanat. nicht ver-
    zeichnet wurden. Ihre Geschichte klärt
    sich weiter auf, daß es Wunschblutgen
    waren, ist unzweifelhaft; sie hat
    mehrere ähnliche Vorfälle, darunter
    direkte Simulationen, in ihrer Kinderzeit.
    Deine Nase hat wieder einmal richtig
    gerochen. Sie befindet sich übrigens glänzend.

    Laß mich auf die versprochene
    Mittheilg in Ungestörtheit nicht
    lange warten.

    Herzlichsten Gruß
    an Euch alle Dein
    Sigm

     

    Glänzende Nase. 

    Kommt in Fetischismuseit vor - Arbeit vor

    auch andernorts Englischsprechender Patient - Glans / Glanz auf die Nase