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    Zürich, Burghölzli, 13. X. 07.

    Hochgeehrter Herr Professor,
    Ihr Brief war mir eine große Freude und zugleich die beste Ermutigung, die mir zuteil werden konnte. Haben Sie vielen Dank für das warme Interesse, das aus jeder Zeile Ihres Briefes spricht. Wenn Sie mich als Ihren Schüler bezeichnen wollen, so wüßte ich keinen Grund, mich dagegen zu wehren. Im Gegenteil sehe ich darin eine Anerkennung von Ihrer Seite und versichre Ihnen, daß ich Sie seit drei Jahren – solange beschäftige ich mich mit Ihren Schriften – als

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    meinen Lehrer betrachte. Ihrer Einladung, nach Wien zu kommen, leiste ich Folge, sobald ich kann. Ich hoffe, Anfang Dezember in Berlin eingerichtet zu sein. Wenn irgend möglich möchte ich dann auf einige Tage nach Wien kommen. Die Berliner Kollegen kenne ich gut. Ich war über drei Jahre in der Berliner Irrenanstalt Dalldorf Arzt, bis ich es nicht mehr aushielt. Ich weiß, wie schwer es im medizinischen Berlin ist,
    gegen eine Schulmeinung aufzukommen. In Zürich habe ich aufgeatmet. Keine Klinik in Deutschland hätte mir auch nur einen Teil dessen

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    geboten, was ich hier vorgefunden habe. Ich gehe darum auch nicht leicht fort. Aber ich muß an die Zukunft denken, zumal da ich verheiratet bin.
    Über meine wissenschaftlichen Pläne hoffe ich Ihnen in einiger Zeit mündlich berichten zu können. Ich fürchte, ich habe mit dem Brief über die Demenz-Frage vorläufig Ihre Zeit genug in Anspruch genommen, und möchte Ihnen daher heute nichts Weiteres vorlegen. Übrigens bin ich trotz des bevorstehenden Umzugs zum Diskutieren aufgelegt.
    Zur zweiten Sitzung unsres hiesigen »Freudschen Vereins«

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    sind nicht weniger als 20 Ärzte erschienen, ein paar kamen ziemlich weit her von Anstalten auf dem Lande. An Interesse fehlt es hier also nicht. Nächstes Mal werde ich über die Frage des infantilen Sexualtraumas referieren. – Ich hoffe im Stillen, in Berlin allmählich Propaganda machen zu können.
    Mit den besten Grüßen Ihr
    dankbar ergebener
    Dr. K. Abraham