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    Allenstein, 16. 7. 16 Lieber Herr Professor, Das erste Heft Ihrer Vorlesungen mit Ihren Grüßen kam vorgestern an. Drei davon habe ich bereits meiner Frau vorgelesen, und wir beide danken Ihnen für ein paar anregende Stunden von Herzen. Für mich hat diese Schrift ein besonderes Zukunftsinte esse. Ich hoffe, nachdem ich hier eine offizielle psychiatrische Stellung bekleidet habe, später im Frieden leichter zur Habilitation gelangen zu können, und lerne durch die Lektüre schon ein bißchen, wie man’s macht. Leider bin ich ohne sonstige Nachrichten – hoffe aber, daß es Ihnen und den Ihrigen gut geht! Meinen letzten Brief – er muß vor etwa vier Wochen geschrieben sein – haben Sie doch erhalten? Nachdem ich in den letzten Monaten zwei Manuskripte geliefert habe, ist eine kleine Produktionspause eingetreten. Ich benutze sie aber so, daß sie wohl das Vorstadium zu einer neuen Arbeit werden wird; ich studiere in den freien Stunden Totem und Tabu und die Traumdeutung von neuem – mit immer wieder frischem Genuß. Die ärztliche

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    Tätigkeit bietet an sich viel des Interessanten, doch für unsre speziellen Zwecke wenig. Immerhin bin ich zur Zeit mit einer psychologisch höchst bemerkenswerten gerichtlichen Sache beschäftigt, über die sich später einmal zu schreiben lohnen dürfte. Meine Frau war eine Woche in Berlin. Wir haben unsre Wohnung aufgegeben und die Möbel beim Spediteur untergebracht. Da ich wahrscheinlich weiter in A. bleibe, wird meine Familie für den Winter hier bleiben; mit einem baldigen Kriegsende ist doch kaum zu rechnen. Wie steht es mit Ihren Ferienplänen, lieber Herr Professor? Ich werde wahrscheinlich Ende August einige Wochen Urlaub machen. Wäre ein Zusammentreffen möglich? Wenn Sie mir wieder schreiben, erwähnen Sie doch bitte, was aus unsern Freunden geworden ist. Von Reik, Rank, Eitingon u.s.w. höre ich gar nichts mehr. Haben Sie einmal von Jones ver- nommen? Mit herzlichen Grüßen für Sie und die Ihrigen daheim und draußen, auch von meiner Frau, Ihr Karl Abraham