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    Allenstein, 6. 1. 18. Lieber Herr Professor, Nehmen Sie herzlichen Dank für Ihre beiden Briefe und für die Erfüllung meines Wunsches bezüglich Kraus! Aus Ihrem ersten Briefe ersah ich wohl, daß Ihnen der Entschluß nicht leicht wurde, aber ich habe keinen Augenblick gezweifelt, daß Sie an K. schreiben würden. Des zweiten, zu meiner Beruhigung bestimmten Briefes hätte es also nicht bedurft! Es ist mir recht leid, Ihnenmit meiner Bitte solches Unbehagen bereitet zu haben. Vielleicht werden wir beide wenigstens durch einen günstigen Erfolg des Briefes entschädigt! Von hier ist nichts Neues mitzuteilen. Ich erhielt heute die Sonderabdrucke der Belanglosigkeit über »Geldausgeben im

     

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    Angstzustand«. Mit der Habilitations-Arbeit geht es langsam vorwärts. Wissenschaftlich kann ich erwähnen, daß mir die Analyse einer Grübelsucht recht Interessantes bringt, was sich zu späterer Veröffentlichung eignet (Ergänzungen zur sadistisch-analen Genese). Mit diesem Brief sende ich das versprochene Referat über Pötzl. Ich bin sehr enttäuscht von der Arbeit. Die Einstellung des Autors zur Psychoanalyse ist ambivalent in dem Sinne, daß er theoretisch alles billigt, dabei aber die Begriffe ihres wirklichen Inhalts beraubt, sodaß ihre Anerkennung bedeutungslos wird. Und praktisch ist er von der Anwendung der Methode sehr weit entfernt. Ich habe daher ein in der Form gemäßigtes, aber unzweideutig ablehnendes Referat

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    geschrieben. Ist P. inzwischen Mitglied geworden? Nach dieser Arbeit könnte ich das gar nicht begreifen. Es tut mir leid zu hören, daß es Rank nicht gut geht. Sachs scheint aber ganz auf der Höhe zu sein. Ich selbst fühle mich, sobald nur eine greifbare Friedensaussicht da ist, zu jeder Unterneh- mung bereit, habe auch schon mancherlei Pläne für unsre wissenschaftliche Zusammenkunft! Damit will ich freilich nicht sagen, daß die Kriegsjahre spurlos an mir vorübergegangen wären. An Frische, Haarpigment und Körpergewicht habe ich wie alle andern verloren. Aber ich hoffe auf eine rasche Regeneration, und nicht bloß für mich! Da Sie nichts Näheres von den

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    Ihrigen schreiben, so nehme ich aller Wohlsein, auch der Frontsoldaten, an. Mit vielen guten Wünschen für 1918 (Casimiro!) und herzlichen Grüßen von Haus zu Haus Ihr Karl Abraham