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Allenstein, Kreuzstraße 2, 18. 8. 16 Lieber Herr Professor, Es ist in diesem Jahre schwierig mit dem Plänemachen! Ich muß zunächst abwarten, ob ich zum Kongreß entsandt werde. Die Entscheidung darüber fällt nicht hier, sondern in Berlin; ich weiß sie also frühestens in einigen Wochen. Als weitere Schwierigkeit kommt folgendes hinzu. Meine Lazarett-Station, die einzige im Korps-Bezirk für Psychiatrie und Neurosen, mußte vergrößert werden. Ich habe nun ein eigenes Lazarett, dessen Chefarzt ich bin, mit 75 Betten, vor einer Woche bezogen. Ich soll einen zweiten Arzt bekommen, weil ich nicht alle Arbeit bewältigen kann. Als solcher wird wahrscheinlich in Kürze mein Berliner Kollege Liebermann, den Sie dem Namen nach kennen, hier eintreffen. Nur das Wann ist noch zweifelhaft. Je später er hier eintrifft, desto später kann er meine Vertretung übernehmen; ich weiß also nicht einmal, wann ich in Urlaub werde gehen können. Vielleicht sind Sie bei meiner Ankunft in München längst nach Gastein abgereist. Ich sehe nur zwei Möglichkeiten: entweder ich erhalte Erlaubnis, die Grenze zu passieren und kann Sie dann – gleichviel wo – besuchen. Oder Sie müßten zum Kongreß nach München kommen, was Ihnen doch sicher so wenig wie einem andren Arzt versagt werden würde. Ich werde tun, was ich kann, um Ihnen bald Bestimmteres sagen zu können.
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Wir freuen uns sehr zu hören, daß Sie Ihre beiden Leutnants wohlbehalten bei sich sehen konnten. Unsre besten Wünsche begleiten sie auch ferner! Die Tage des Beisammenseins waren gewiß die schönsten der Reise. Daß Sie auch zur Niederschrift der weiteren Vorlesungen Zeit finden, begrüße ich für Sie und uns alle. Wir führen hier weiter unser halb ländliches Dasein, zufrieden, daß wir zusammen sein können. Ich habe überreichlich zu tun, halte ja aber einen ganzen Posten Arbeit aus, und habe die große Annehmlichkeit einer völlig selbständigen Tätigkeit und autoritativer Stellung. Putnams Artikel habe ich angefangen; der Anfang gefällt mir sehr. Ich bekomme die amerikanische Zeitschrift immer als Referierexemplar für unser Jahrbuch, aber dieses schläft. Gerade zwei Jahre sind seit seinem einmaligen Erscheinen vergangen. Sobald der Frieden ausbricht, werden wir nachholen, was der Krieg verlangsamt hat. Ich möchte glauben, daß wir für unsre Forschung dann einen günstigeren Boden haben werden als vorher. Nach der langen Zeit, durch die der Krieg fast alle Interessen absorbiert hat, wird ein Hunger nach Wissenschaft kommen, der uns vielleicht sehr zugute kommen wird. Ich denke mir schon manchmal aus, wie wir die Fäden wieder aufnehmen werden. Auf alle Fälle wollen wir’s wie Casimiro halten. Ihnen und den Ihrigen dort und im Feld viele herzliche Grüße von meiner Frau und mir! Ihr Karl Abraham
Makartplatz 4
Hotel Bristol
Salzburg 5020
Austria
C15F6