-
S.
[Briefkopf VI Berlin] 5. 4. 25
Lieber Herr Professor,
Gewiß ist Ihre Antwort mir eine Enttäuschung gewesen, aber eine viel geringere, als wenn ich nach Wien gekommen wäre und Sie dann in einem schonungsbedürftigen Zustand getroffen hätte. Also schieben wir das Wiedersehen hinaus! Ob ich im Sommer nach dem Semmering komme, soll einstweilen noch unentschieden bleiben. Denn vorläufig hoffe ich doch, daß Sie nach Homburg kommen, und da wäre vielleicht ein Zusammensein auf einfachere Weise ermöglicht. Um Sie für Homburg zu ermutigen, will ich Ihnen doch sagen – falls Sie es nicht von Landauer direkt wissen – daß die Kurdirektion Ihnen und Ihrer Familie einen Teil einer ruhig gelegenen Villa einräumen wird. Wir alle werden große Vergünstigungen haben, z.B. Frei-Logis für 25-30 Teilnehmer und sehr mäßige Preise für die übrigen. H. ist ein ausgezeichnet eingerichteter Kurort mit schönen, bequemen Waldwegen und Gelegenheit zu Ausflügen aller Art. –
Über Ostern bleiben wir nun in Berlin. Heute habe ich von Ophuijsen die offizielle Anfrage erhalten, ob ich Ende Mai in Holland ein paar Vorträge halten will. -
S.
Da ich zusagend antworten werde, so ist es wahrscheinlich, daß wir Pfingsten in Holland sein werden.
Holland führt mich hinüber zu Lampl, dessen Verlobung uns alle überrascht hat. Eine zweite Überraschung bereitete er uns in der Vereinigung durch seinen ersten Vortrag, der ganz ausge-zeichnet war.
Meinen Vortrag, den ich kürzlich bei den Gynäkologen hielt, soll ich jetzt im »Archiv für Gynäkologie« veröffentlichen. Eine solche Einladung wäre noch vor kurzer Zeit kaum denkbar gewesen. Und nun will ich noch der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Umarbeitung der Prothese endgültig und zu Ihrer vollen Zufriedenheit gelingen möge und daß Sie einem beschwerdenfreien Sommer entgegengehen mögen! Mit diesem Wunsch, und herzlichen Grüßen an Sie und die Ihrigen alle
Ihr Karl AbrahamKürzlich suchte mich Prof. Keyserling auf, den Sie freundl.[icherweise]an mich gewiesen haben. Ich werde sehen, ihm ein bißchen zu helfen. Eine seit Kindheit bestehende Neurose mit aufgelagerter organischer Gehirnkrankheit ist nicht sehr ermutigend, aber vielleicht kann man ihm doch ein bißchen nützen. –
Dieser Brief bedarf keiner Beantwortung!!
Bismarckallee 14
Berlin – Grunewald 14193
Germany
Berggasse 19
Wien 1090
Austria
C15F8