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[Briefkopf V Berlin] 4. 12. 21.
Lieber Herr Professor,
Dies ist der erste direkte Brief, den ich seit unsrer Zusammenkunft an Sie richte. Unsre Rundbriefe erfüllen den Zweck, Neues mitzuteilen und Fragen zu stellen, in so vollkommener Weise, daß nur gelegentlich einige Privatissima übrig bleiben.
Gewiß erinnern Sie sich unsres Gespräches, das wir an dem Regentage auf dem Wege nach Schierke hatten. Zu meiner Freude kann ich Ihnen heute berichten, daß ich in letzter Zeit von Sachs einen günstigeren Eindruck hatte. Verstöße wie die, welche uns unterwegs auffielen, und all die sonstigen Veränderungen, die ich damals erwähnte, treten gegenwärtig kaum mehr hervor. Im Gegenteil fand ich, daß bei gewissen Gelegenheiten ein gutes und sicheres Taktgefühl hervortrat. Ich beginne zu hoffen, daß damit die gehegten Besorgnisse hinfällig werden; aber natürlich muß die nächste Zeit noch abgewartet werden. Ich gebe Ihnen in einiger Zeit wieder Bericht. Ich weiß, daß die obige Nachricht Sie erfreuen wird, und darum wollte ich sie Ihnen nicht länger vorenthalten.
Nun noch einiges andre. Kürzlich verbrachten meine Frau und ich einen Abend in der Regentenstraße in Ernsts -
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reizender Häuslichkeit. Bei dieser Gelegenheit überzeugte ich mich wieder von der vorzüglichen Entwicklung Ihres Enkelchens. Ich kann mich nicht besinnen, bei einem Kinde in diesem Alter im Blick etwas so ruhig Beobachtendes gesehen zu haben, so als ob es die Umgebung systematisch absuchte. (Großväterliche Erbschaft?) Letzten Sonntag sahen wir Oliver bei uns, der in der vorherigen Zeit gar nicht aus seiner Arbeit hervorgekommen war. Er ist immer besonders freundlich zu unsern Kindern; unser Junge ist sein spezieller Freund, fühlt sich sehr geehrt durch das Projekt eines Austausches der beiderseitigen Fahrrad-Lenkstangen.
Auf diesen Brief, lieber Herr Professor, erwarte ich keine Antwort. Wollen Sie mir den Empfang bestätigen, so kann es ja im nächsten Rundbrief geschehen.
Mit herzlichen Grüßen für Sie und die Ihrigen, auch von meiner Frau,
Ihr Karl Abraham
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