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[Briefkopf V Berlin] 19. 10. 19
Lieber Herr Professor,
Nehmen Sie herzlichen Dank für die Kollektivnote vom Kobenzl, für Ihren Brief und für Ihr Bild, das ich von Hamburg erhielt. Es ist ausgezeichnet, lebenswahr und technisch vollendet. Eitingon, gegen dessen Kooptation ich natürlich nicht das Geringste einzuwenden hatte, hat dankbar akzeptiert. Mir ist es nur recht, wenn ich in eintretenden Fällen hier noch jemanden habe, mit dem ich alles überlegen kann.
Alles aus dem Komitee Berichtete interessierte mich sehr und findet meinen Beifall. Es scheint allgemein der Wunsch nach einem Kongreß im Frühjahr zu bestehen. Da die meisten Teilnehmer in Deutschland und Österreich wohnen und vorläufig wohl eine Reise nach Holland nicht erschwingen können, so müßte der Kongreß wohl in Deutschland oder Österreich stattfinden. Eitingon und ich schlagen dem Komitee hierdurch Berlin als Kon- greßort vor und stellen den Antrag, im Anschluß an die internen wissenschaftlichen Sitzungen eine Vortragsreihe zu veranstalten, teils auf medizinischem, teils auf allgemeinem Gebiet. Wir bitten um Weitergabe -
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des Antrags mit dem Bemerken, daß die Teilnahme an dieser Veranstaltung sicher beträchtlich sein wird.
Seit ich mit Eitingon hierüber sprach, war Federn auf der Durchreise hier. Er schilderte mir den Wiener Verein als im Rückgang befindlich und hofft, ein Kongreß in Wien werde das Interesse dort beleben. Wie denken Sie dort darüber? Wir wollen natürlich Ihrem Interesse nicht im Wege sein. – Der frühere Einwand gegen Universitätsstädte ist nicht mehr stichhaltig. Berlin schreit förmlich nach Psychoanalyse, und eine aufklärende Vor- tragswoche hier könnte uns außerordentlich fördern. Im Verein sprach kürzlich Simmel vortrefflich über Psychoanalyse eines Spielers. Er hat sich in letzter Zeit sehr gemacht.
Ein Wort noch über Ihren letzten Aufsatz! Ich bin ganz begeistert von ihm. Es scheint mir, als wären Sie nie zuvor so in die letzten Tiefen eines Problems eingedrungen. Dazu ist die Darstellung so wundervoll faßlich und klar, daß die Lektüre ein ganz ausgewählter intellektueller und ästhetischer Genuß ist.
Zum Schluß meinen Glückwunsch dazu, daß Martin sich so gut arrangiert hat, und herzlichste Grüße von meiner Frau und mir für Sie und die Ihrigen!
Ihr Karl AbrahamWie sind Sie mit Boehms Manuskript zufrieden? Als Vortrag machte es sich sehr gut.
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