• S.

    B.[erlin] 28. II. 15 Lieber Herr Professor, Ihr Brief ist dieses Mal in drei bis vier Tagen hierher gelangt; ich hoffe, auch dieser wird ohne Schwierigkeiten sein Ziel erreichen. Ich muß Ihnen zunächst für den Korrektur-Abzug danken. Ich hätte, vom ersten bis zum letzten Wort, nichts einzuwenden. Zu meiner großen Befriedigung deckt alles in diesem Aufsatz sich mit meinen eigenen Erfahrungen. Wenn ich sage, daß dies der erste Aufsatz von Ihnen ist, der mir nichts Neues brachte, so soll das natürlich nur heißen, daß ich dieses Mal nicht genötigt war, in irgend einer Hinsicht umzulernen. Dagegen

     

  • S.

    hatten sich meine Beobachtungen noch nicht so klar geordnet; ich habe darum aus dem Aufbau des Artikels noch eine ganze Menge lernen können. Ich komme selbst nur gelegentlich zum Schreiben. Der kleine Aufsatz über die Sauglust ist in Arbeit. Wenn ich es durchführen kann, möchte ich ihn als No 1 einer kleinen Serie erscheinen lassen, die von den prägenitalen Organisationen handeln soll. Mir ist kürzlich ein relativ einfacher Fall von Zwangsneurose in die Hände gefallen, der Ihre in München vorgetragene Theorie in einer verblüffenden Weise bestätigt. Ihn möchte ich als No 2 der Serie bringen, und dann als No 3 einige Beiträge zur Symptomatik der Anal

  • S.

    erotik. – In letzter Zeit habe ich die neue Auflage der Drei Abhandlungen erst mit Ruhe studiert. Ich hatte für diese Schrift von jeher eine Vorliebe. Auch in der neuen Form gefällt sie mir außerordentlich. Das Neue der letzten zehn Jahre fügt sich dem Alten vorzüglich ein. Oft denke ich, daß der Krieg uns die unerquicklichen Debatten mit den Schweizern erspart. Hernach werden wir unsre getrennten Wege gehen. Auch wir sind hier voller Spannung, was unsre Blockade gegen England ausrichten wird. Authentische Berichte gibt es bisher nicht, aber nach früheren Erfahrungen darf man wohl erwar- ten, daß eines Tages Erstaunliches veröffentlicht wird. Unsre neue Anleihe

  • S.

    wird vermutlich wieder einen vollen Erfolg haben. Was mit mir wird, bleibt unsicher. Zunächst bin ich noch weiter im Lazarett beschäftigt. Die jüngeren Ärzte aus unsrem Lazarett sind aber allmählich einberufen worden, und die Reihe kann jederzeit auch an mich kommen. Ich hoffe, Sie werden von Ihren Söhnen weiter Gutes hören; ich bitte Sie sehr, mich über ihr Ergehen auf dem laufenden zu halten. Mit herzlichen Grüßen, auch von meiner Frau, für Sie und die Ihrigen alle Ihr Karl Abraham