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Allenstein, 2. 1. 17. Lieber Herr Professor, Vor reichlich einer Woche erhielt ich Ihren Brief und den zweiten Band der Vorlesungen und will Ihnen heute für beides herzlich danken, nachdem ich das Buch soeben zu Ende gelesen habe. Ich glaube, es wird unsern Interessen sehr viel nützen, teils weil es so elementar gehalten ist und doch alles Wesentliche enthält, teils weil es durch Weglassung des Historischen und des Theoretischen weit geringere Ansprüche an den Leser stellt wie das alte Buch über den Traum. Dazu kommt noch die vollendete Darstellung, die Sicherheit und Abgeklärtheit, die ihre Wirkung kaum verfehlen werden – sobald sich das Interesse überhaupt wieder der Wissenschaft zuwendet. Mir hat dieses Buch eine Reihe schöner Stunden bereitet, und jetzt liest meine Frau es. Die kleine Stadt bietet uns sonst wenig Anregung. Infolgedessen habe ich die Feiertage eifrig zum Lesen benutzt und bin eigentlich nur unzufrieden, daß nicht auch schon der dritte Band vorliegt. Inzwischen traf die neue Nummer der Zeitschrift ein, und ich sehe mich nach über zwei Jahren einmal wieder gedruckt. Was soll übrigens aus der andern Arbeit werden? Wenn man wüßte, daß bald Frieden wäre und wir unser
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Jahrbuch wieder herausgeben könnten, möchte ich sie dafür gern reservieren. Aber da die Zukunft so ungewiß [ist], bitte ich Sie wohl am besten, die Veröffentlichung dann vorzunehmen, wenn die Zeitschrift einmal Mangel an Beiträgen hat. Gern hörte ich, daß Sie von allen ihren Kriegsteilnehmern Gutes hören, und daß es auch Ihnen zu Hause allen gut ergeht. Von uns kann ich das gleiche sagen. Wissenschaftlich nicht viel Neues. Unter meinen Patienten hatte ich jetzt zwei Zwangsneurosen, die ohne eingehende Analyse in hervorragender Weise Ihre und Jones’ Ansichten bestätig- ten. Sie lassen sich vielleicht später verwenden. Zufällig fand ich gestern im Till Eulenspiegel einen Traum, der von dem dreijährigen Till erzählt wird und meines Wissens in unsrer Literatur noch nicht beachtet ist. Vielleicht publizieren Sie ihn unter den Kleinigkeiten in der Zeitschrift unter Hinweis auf die unverhüllte Wunscherfüllung der Kinderträume. Er lautet: Eines Morgens erzählte er seinem Vater, was ihm über Nacht geträumt hatte. »Vater«, sprach er, »heute Nacht habe ich im Traume Kuchen gesehen.« »Das ist von guter Vorbedeutung, mein Sohn«, antwortete Vater Klaus, »schaff mir einen Pfennig, so will ich dir den Traum auslegen.« »Vater«, versetzte Till, »wenn ich einen Pfennig besäße, so hätte mir von Kuchen nicht nur geträumt.« Bald einmal mehr! Für heute herzlichste Grüße Ihnen allen, auch von meiner Frau! Ihr Karl Abraham
Garnison-Lazarett, Kreuzstraße 2, Allenstein, Ostpreußen
Wien 1090
Austria
C15F6