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    Grunewald, 2. 5. 22

    Lieber Herr Professor
    Ihr bevorstehender Geburtstag gibt mir den willkommenen Anlaß, Ihnen wieder einmal außerhalb des Rahmens der Rundbriefe zu schreiben. Dieser Brief ist also mit guten Wünschen angefüllt. Da ich – soweit mir bekannt – keine bösen überzukompensieren brauche, so genügen wenige Worte, um Ihnen aufs neue die Herzlichkeit meiner Gesinnung zu versichern.
    Wie schon einige Male früher, füge ich als Geburtstagsgabe auch heute einen kleinen Beitrag für die Zeitschrift

     

  • S.

    hinzu, hoffend, daß er Sie interessieren und Ihren Beifall finden werde.
    Ihr Brief vom 30. 3. harrt noch der Beantwortung, während ich für den Sonderabdruck von »Trauer und Melancholie[«] schon gedankt habe. Ihr Vergessen ist mir völlig verständlich; die Nicht-Zusendung der gewünschten Arbeit sollte heißen, ich solle nur die andre Quelle (Massenpsychologie) erst einmal studieren. Nun kenne ich ihren Inhalt mit Bezug auf das Thema Manie und Melancholie gut, aber auch nach nochmaliger Durchsicht sehe
    ich nicht, wo meine Verfehlung liegt. Eine Parallele im  Normalen,

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     d.h. also das Einsetzen eines der Manie (nach Melancholie) ähnlichen Reaktionszustandes nach der Trauer, finde ich nirgends erwähnt. Ich weiß nur von Ihrer Bemerkung (in Trauer und Melancholie), daß Sie derartiges vermissen. Und darauf bezog sich meine Bemerkung. Die Steigerung der Libido nach Trauer wäre dem »Fest« des Manischen ganz analog. Aber ich finde an der Stelle (Massenpsychologie), wo vom Fest die Rede ist, diese Parallele mit dem Normalen nicht. Oder sollte ich so mit Blindheit geschlagen sein, daß ich eine vorhandene Stelle dieses Inhalts nicht sehe?
    Sie gehen also schon am 1. Juli auf

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    die Reise. Ich werde ca. am 10. Juli Ferien machen. Zunächst gehe ich auf einige Tage zum 75. Geburtstag meiner Mutter nach Bremen, dann wollen wir nach St. Anton am Arlberg. Die recht hohen Preise suche ich dadurch zu kompensieren, daß ich dort einen Patienten habe. Vielen Dank für Ihre Berichte von dort. Gegenwärtig analysiere ich Mrs. Powers, die Freundin von Blumgart.
    Mit herzlichen Grüßen, auch von den Meinigen, für Sie und Ihr ganzes Haus
    Ihr Karl Abraham