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[Briefkopf VI Berlin] 17. 9. 24
Lieber Herr Professor,
Sie haben einige Zeit nichts von mir gehört, und ich hatte Ihnen doch versprochen, von allem zu berichten, was Sie interessiert.
Für uns ist gegenwärtig die geplante Zusammenkunft in Würzburg in den Mittelpunkt gerückt. Sie verspricht, ganz befriedigend zu werden, und mir ist es sehr lieb, daß durch die Teilnahme verschiedener Nichtdeutscher auch nicht der Verdacht einer Absonderungs-Tendenz aufkommen kann. Von Vorträgen haben wir bereits eine gute Auswahl; daneben wird die Frage der Ausbildung eingehend erörtert werden, indem Simmel über die Organisation unsres Instituts, besonders als Lehranstalt, und Sachs speziell über Unterrichts-Analysen sprechen wird. Von letzterem wissen Sie wohl, daß er in London einen Kurs über Technik hält. Übrigens mußten wir die Versammlung auf den 11. und 12. Oktober verschieben.
Die Kurse im Wintersemester werden ähnlich wie im vergangenen Jahre sein. Nur wird Radó an meiner Stelle den Einführungskurs halten, ich wahrscheinlich über die Entwicklung des Charakters vor Medizinern und -
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Pädagogen sprechen.
Folgende kleine Geschichte wird Ihnen Spaß machen. Vor wenigen Tagen fand ich in einem Antiquariats-Katalog angezeigt: »Freud, S., Entwicklung der Spinalganglien bei Petromyzon. 1878«. Von diesem Artikel hatte ich bisher nichts gewußt, erinnerte mich aber, kürzlich in Ihrem Manuskript (»Selbstdarstellung«) eine Anspielung darauf gelesen zu haben. Ich habe das Heft jetzt erhalten. Es trägt den Namensaufdruck eines Dr. Langerhans, der hier vor einiger Zeit starb und zu dessen Schrift über ein ähnliches Thema Sie in der Arbeit Stellung nehmen. Sehr interessant war es mir aber, schon in dieser Ihrer frühesten Schrift den späteren Stil wiederzuerkennen. Nachdem ich schon vorher der einzige Besitzer der Coca-Dissertation im psychoanalytischen Kreise war, bin ich nun als Besitzer Ihrer zwei frühesten Schriften außer Konkurrenz.
Mrs. Strachey ist seit einer Woche bei mir. Die Analyse geht bisher gut. Der Mann ist für einige Zeit mitgekommen, wird aber bald nach England zurückkehren.
Ich diktiere augenblicklich einen dritten Artikel für das »Charakter«-Heft (genitale Stufe der Charakter-Bildung). In der peruanischen Revista de Psiquiatria ist ein guter Aufsatz über die Haltungsstereotypien der Katatonischen erschienen; ich lasse ihn übersetzen und schicke ihn dann an Ferenczi zwecks Aufnahme in die Zeitschrift.
Ihnen und den Ihrigen allen noch schöne Herbsttage auf dem Semmering wünschend, bin ich mit herzlichen Grüßen
Ihr Karl Abraham
Bismarckallee 14
Berlin – Grunewald 14193
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Villa Semmering
Semmering 2680
Austria
C15F8