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[Briefkopf III Berlin] 5. V. 13.
Lieber Herr Professor,
Wenn man nur die äußeren Ereignisse betrachtet, sieht es augenblicklich um die Psychoanalyse wieder mal schlimm aus. Im Begriff Ihnen zu schreiben, erhielt ich soeben die Beilage. Der letzte Rest von Lust, den Kongreß zu besuchen, ist mir vergangen, als ich Bleulers widerspruchsvolles Zeug las. Es bleibt am besten bei der alten Praxis, daß wir unter uns bleiben. Soweit ich weiß, geht nur Wanke hin, der auch einen Vortrag angekündigt hat; er ist ehrlich und wird sich gewiß für die Sache einsetzen, aber er wird keinen Eindruck erzielen. Ich werde ihn bitten, ein Referat über den Kongreß zu verfassen. Ich sitze nun bei den Vorarbeiten zur Habilitationsschrift, d.h. ich nehme im Siechenhaus Assoziationen bei senil Dementen auf. Sonst bringt jeder Tag seine zehn Stunden Arbeit. Ich kann Sie, lieber Herr Professor, in der Honorarfrage beruhigen; ich hatte im vorigen Herbst angefangen, von 10 auf 15 M. zu steigen, und habe kürzlich zum ersten Male den Sprung auf 20 gemacht. Das Einkommen ist entsprechend im Steigen begriffen, d.h. im vergangenen Jahr auf 18000 M.; in diesem Jahre darf ich auf ca. 25000 M. rechnen. Ich werde, sobald ich die Preiserhöhung weiter durchgeführt habe, was am besten nach den Ferien geht, die Arbeitszeit um eine Stunde verkürzen, um mehr zum
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wissenschaftlichen Arbeiten zu kommen. Es liegt so viel zur Niederschrift bereit; gegenwärtig hindert die Habilitations-Schrift mich auch noch. Sie bitten mich, das Bilderverbot zu bearbeiten; das soll auch geschehen, nur möchte ich es nicht für sich allein mitteilen, sondern in einem größeren Zusammenhang. Ich möchte auf dem Kongreß über die Umwandlungen des Schautriebes sprechen. Sie werden gewiß einverstanden sein, wenn ich die Kleinigkeit bis dahin unveröffentlicht lasse. Ich wüßte sehr gern, ob Ihre Totem- Arbeit noch vor München erscheint; ich müßte in meinem Vortrag auf sie Bezug nehmen. Eventuell würde ich Sie bitten, mir wie in einem früheren Falle die Korrektur zum Lesen zu geben. Dem, was Sie über Jung schreiben, kann ich ja leider nur beistimmen; trotzdem glaube ich noch nicht, daß die Adlerei in Zürich etwas Dauerndes ist. Was haben Sie für Sommerpläne? Wir werden irgendwo an die Nordsee gehen, der Kinder wegen. Hernach möchte ich mit meiner Frau noch auf kurze Zeit nach Südtirol und von dort nach München. Mit herzlichen Grüßen für Sie und die Ihrigen Ihr ergebener Abraham
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