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    Nidden, Kurische Nehrung 10. 8. 17. (Adresse ab 17. 8. wieder Allenstein!) Lieber Herr Professor, Ich hoffe, daß es Ihnen im ungarischen Hochgebirge, wo Sie zunächst unter dem Wetter so sehr zu leiden hatten, hernach so gut gefallen hat, daß Sie und die Ihrigen sich dort vollkommen erholen können. Ich richte diesen Brief noch nach Csorbató. Auch wir sind in einen fernen Winkel verschlagen, den nordöstlichsten des Vaterlandes. Nidden liegt etwa in der Mitte der ca. 100 km langen »Nehrung« am Kurischen Haff, an dessen Ufer ich schreibend sitze. Wir genießen bei durchweg wundervollem Wetter die Natur dieser weltabgeschiedenen Landzunge mit ihren mächtigen Wäldern und Dünengebirgen. Vormittags gehen wir meist zur anderen Küste hinüber, um zu baden. Die Kinder sind so recht in ihrem Element, liegen meist auf dem Wasser oder gehen mit uns auf die Beerensuche. Die Nachmittage und Abende sind mit Ausflügen, Segelfahrten u.s.w. besetzt. Da wir auch gut verpflegt sind, so fühlen wir uns recht wohl hier und setzen uns über manche Mängel hinweg. Für mich war es, nach der sehr großen Arbeitslast des voraufgegangenen Jahres,

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    höchste Zeit, längere Ferien zu bekommen. Im vergangenen Winter, der so besonders hart war, hatte ich in dem rauhen Klima Ostpreußens viel unter Bronchialkatarrhen mit asthmatischen Beschwerden zu leiden. Auch jetzt bin ich leider nicht frei davon. Doch bin ich mit meiner Erholung im allgemeinen hier zufrieden. Da an der italienischen Front relative Ruhe herrscht, so hoffe ich, daß es Ihrer familia militans an der Front auch ferner gut geht. Der traurige Fall, von dem Sie berichteten, ich meine den Tod Ihres Neffen, muß gerade jetzt besonders betrübend auf seine Mutter und Sie alle gewirkt haben. Nach dreijährigem Bangen und Hoffen den einzigen Sohn zu verlieren, muß besonders schwer sein. In meiner Familie, freilich nicht in der allernächsten, hat sich ein ähnlicher Fall ereignet. Ihnen selbst und den Ihrigen, zu denen ich auch Ferenczi rechnen darf, geht es gesundheitlich hoffentlich gut. Den dritten Teil der Vorlesungen habe ich gestern zu Ende gelesen. Ich will versuchen, meinen persönlichen Dank in Form des schon versprochenen Referats abzustatten, das ich im Laufe der nächsten Wochen schreiben werde, und heute nur sagen, daß dieses einzige wissenschaftliche Buch, das mich hierher begleitet hat, nur zur Erhöhung des Feriengenusses beigetragen hat. Mit herzlichsten Grüßen für Sie und die Ihrigen, auch von meiner Frau Ihr Karl Abraham