• S.

    [Briefkopf III Berlin] 20. 7. 13.

    Lieber Herr Professor,

    Ich will Sie in Ihrer Ferienruhe nicht mit einem langen Brief stören. Nur auf einen Punkt in Ihrem letzten Brief möchte ich jetzt zurückkommen, nachdem Sie schon eine Woche Ferien genossen haben und meinen Argumenten dadurch gewiß zugänglicher geworden sind. Sie schrieben, daß Sie in München nicht reden werden. Das haben Sie hoffentlich nur im Arbeitsüberdruß der letzten Wiener Wochen geschrieben. Wenn das nämlich Ihr letztes Wort wäre, so wäre es ja gar kein richtiger Kongreß mehr. Ich glaube im Sinne des Kreises, der sich schon am 6. versammelt, zu handeln, wenn ich Sie recht herzlich bitte, die Bedeutung und Wirkung des Kongresses durch einen Vortrag zu sichern. Wer weiß, wieviel Unerfreuliches es gibt? Da gibt es nichts, was als Gegengewicht so geeignet wäre. Sie wissen noch, wie Ihr Auftreten im November in München gewirkt hat, und da handelte es sich um ein Referat über die verdrießliche innere Politik. Um wieviel mehr wird ein wissenschaftlicher Vortrag in der jetzigen Situation günstig wirken! Ich will es nicht weiter ausführen. Eitingon, der Sie ja heute aufsucht, wird gewiß

  • S.

    eine Umstimmung bei Ihnen erzielen. Meine besten Segenswünsche begleiten ihn. Das ist alles für heute. Ich bin bis 26. 7. hier, dann ist meine Adresse: Pension »Ozon«, Noordwijk aan Zee. Gelegentlich teilen Sie mir wohl dorthin Ihre Adresse in San Martino mit. Mit herzlichen Grüßen für Sie und die Ihrigen Ihr ergebener Abraham