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Allenstein, 19. 6. 16 Lieber Herr Professor, Ihr letzter Brief liegt seit einem Monat unbeantwortet. Inzwischen hat sich meine Familie hier ganz eingelebt. Wir fühlen uns in der kleinen Stadt in unserm Gartenhaus, nahe am Wald, wie in der Sommerfrische, werden uns eine solche im eigentlichen Sinne auch nicht leisten können. Nach der einvierteljährigen Trennung sind wir froh, wieder zusammen zu sein. Unser Mädel haben wir für den Sommer ganz aus der Schule genommen und lassen sie hier ein bißchen privat unterrichten. Der Junge, der sich vortrefflich entwickelt, ist nach wie vor eine Quelle psychologischer Belehrung für mich. Die vielerlei Aufgaben bei unsrer Installierung hier in diesen schwierigen Zeiten, daneben der immer noch angestrengte Lazarettdienst, haben mich eine Zeitlang vom Schreiben zurückgehalten. Ich muß Ihnen noch für Ihre freundlichen Worte zu meinem letzten Aufsatz danken. Wo er veröffentlicht wird, ist mir ganz gleich. Zunächst erscheint wohl die zuerst gesandte Arbeit in der Zeitschrift. An einen
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neuen Jahrbuch-Band dürfen wir doch vorläufig nicht denken. Selbst wenn die Zeit unsrer Arbeit günstiger wäre, bekämen wir doch wohl kaum die nötigen Beiträge zu- sammen. Am besten ist es also wohl, den zweiten Aufsatz in der Zeitschrift zu drucken, sobald es ihr an anderm Material gebricht. Ich bin sehr zufrieden, auch zu der neuen Arbeit Ihre Zustimmung gefunden zu haben. Ich bedaure, daß es jetzt gar keine Gelegenheit gibt, diese Themata zu diskutieren. Finden eigentlich die Sitzungen des Wiener Vereins weiter statt? Ich bin gespannt, Weiteres über das Ergehen aller Ihrigen, zu Hause und im Feld, zu hören. Hoffentlich sind es gute Nachrichten, die Ihr nächster Brief bringt. Machen Sie Sommerpläne? Und welche? Zunächst wohl Karlsbad. Kommen Sie irgendwann nach Deutschland? Und gäbe es dann eine Gelegenheit zum Zusammentreffen? Wahrscheinlich werde ich im September den Neurologen-Kongreß in München besuchen, d.h. in amtlicher Eigenschaft. Dann ließe sich etwa in Salzburg oder irgendwo sonst ein Zusammensein ermöglichen. Wissenschaftlich habe ich kaum Neues zu berichten. So füge ich, auch im Auftrag meiner Frau, nur die herzlichsten Grüße für Sie alle hinzu! In alter Ergebenheit Ihr Abraham
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