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Berlin, 28. 12. 15 Lieber Herr Professor, Ganz wider Erwarten habe ich Urlaub erhalten, den ich teils hier, teils in Bremen zubringe. Ich wollte die freie Zeit dieser Tage benutzen, um Ihnen wieder einmal zu schreiben; da werde ich durch die Heiratsanzeige Ihres Sohnes überrascht, und kann den Brief nun gleich mit meiner Frau und meinen herzlichen Glückwünschen für Sie alle beginnen. Man freut sich, wenn man in dieser Zeit einmal gratulieren kann. Ich höre wohl gelegentlich, wie das so schnell gekommen ist. – Ich hoffe annehmen zu dürfen, daß es Ihren Söhnen draußen gut geht; wie steht es mit Ihren Schwiegersöhnen? Von mir kann ich berichten, daß ich jetzt endlich spezialistisch beschäftigt werde. Ich hoffe, in kurzer Zeit definitiv eine psychiatrische Station zu bekommen, deren Zweck es ist, zweifel- hafte Leute auf ihren Geisteszustand zu beobachten, Nervöse zu behandeln – namentlich auch hysterische Lähmungen – und Krampfkranke zu beobachten. Meine lange in Aussicht gestellte Arbeit für die
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Zeitschrift ist nun fertig geworden, ich hänge nur noch einen Schluß daran und sende sie Ihnen noch von Berlin aus zu. Sie wird knapp zweieinhalb Druckbogen ergeben. Ich möchte schon jetzt eine Bitte aussprechen. Es wäre mir sehr erwünscht, wenn die Druckkorrektur dort stattfinden könnte. Wenn ich wieder draußen bin, kommen allerhand Postschwierigkeiten. Da das Manuskript deutlich geschrieben ist, wird die Mühe nicht gar so groß sein. Vielleicht ist Dr. Sachs so freundlich, sie zu übernehmen. (Rank ist wohl nicht mehr dort?) Erwünscht wäre mir nur, vor der endgültigen Drucklegung einen Abzug zu sehen; dann braucht das Manuskript, von dem ich keine Abschrift habe, nicht mehr mitzureisen. Es hat im Laufe der Zeit so mancherlei Störungen in der Beförderung gegeben, daß ich für die Erledigung der Korrektur dort sehr dankbar wäre! Unsre Bekannten sind nach wie vor in alle Winde zerstreut; man hört wenig von ihnen. Uns hier geht es gut, besonders habe ich in diesen kurzen Ferien große Freude an den Kindern. Besonders der Kleine hat sich in meiner Abwesenheit sehr entwickelt und ist dauernd bemüht, Ihre Theorien durch schöne Beispiele zu belegen. Am 3. Januar bin ich wieder in Allenstein (Garnisonlazarett) und hoffe, dort wieder von Ihnen zu hören. Mit den besten Neujahrswünschen für Sie und die Ihrigen alle, auch für die Freunde dort Ihr Karl Abraham
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