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Allenstein, 15. 12. 18 Lieber Herr Professor, Ihr Brief vom 2. Dezember ist lange gereist. Bevor ich auf alles andre eingehe, das er enthält, will ich der Hoffnung Ausdruck geben, daß Ihren Martin tatsächlich kein ernsteres Schicksal als die Gefangennahme mit seiner Truppe betroffen habe. Vielleicht haben Sie inzwischen doch Nachricht von ihm erhalten oder doch Genaueres über den Verbleib seines Regiments ermittelt. Nun meinen Dank für die Anerkennung meiner 1916er Arbeit! Ich hatte nicht erwartet, als einer der Älteren überhaupt berücksichtigt zu werden; aber tatsächlich haben ja die Jüngeren während des Krieges noch weniger Wissenschaftliches produzieren können als die Älteren. Die ärztliche Psychoanalye
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ist, außer von Ihnen, während dieser Jahre wirklich wenig bereichert worden. Die Geldsumme, an sich für jetzige Zeit nicht bedeutend, wird zu einer lange aufgeschobenen Wunscherfüllung benutzt werden, nämlich zu einem Besuch in Wien, sobald die Verhältnisse es gestatten. Simmel schreibe ich heute. Das Geld ist mir bereits von einer Berliner Bank avisiert. Ich gebe die Hälfte an Simmel weiter, sobald ich seine jetzige Adresse erfahren habe. Sehr freute mich, Gutes über Sachs zu hören. Und hoffentlich ist, was Sie von Rank berichten, nichts Ungünstiges. Daß Eitingon in Berlin ist, wußte ich noch nicht. Ich selbst bin gestern vom Militär entlassen, bleibe aber noch mit meiner Familie über Weihnachten hier, teils mit
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Rücksicht auf die hiesige Praxis (drei Analysen), teils aus anderen praktischen Gründen. Anfang voriger Woche war ich in Berlin und habe eine provisorische möblierte Wohnung gemietet. Einen langfristigen Mietsvertrag wage ich bei den unsicheren Verhältnissen nicht abzuschließen. Unsre vorläufige Wohnung liegt außerhalb der Stadt. Sie soll uns auch eine Probe liefern, ob das Praktizieren draußen möglich ist. Die Adresse ist: Berlin – Grunewald, Schleinitzstraße 6. Wir haben das Unterhaus einer Zweifamilienvilla mit Veranda und Garten, sieben Zimmer und Diele mit anständiger Einrichtung. Die Praxis verspricht Gutes: zwei Analysen sicher, zwei wahrscheinlich, eine noch unsicher. Wenn ich in B. meine Rückkehr angezeigt habe, dürfte wohl mehr hinzukommen.
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Ich hoffe vom Wohnen außerhalb der Stadt für meine Gesundheit, die vom östlichen Klima gelitten hat, auch Gutes. Für die Kinder ist es herrlich, zumal in der Villen-Kolonie ausgezeichnete Schulen vorhanden sind. Liebermann bleibt noch etwas länger hier, da zunächst nur einer von uns abkömmlich ist. Wenn Sie mir wieder schreiben, lieber Herr Professor, so adressieren Sie bitte schon nach Berlin, wo ich am 30. einzutreffen denke. Mit herzlichsten Grüßen von Haus zu Haus und dem Wunsch, daß 1919 besser als die Vorjahre ausfallen möge, Ihr Karl Abraham
Berggasse 19
Wien 1090
Austria
C15F6