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    Berlin – Grunewald, 20. 1. 19. Schleinitzstraße 6. Lieber Herr Professor, Zuerst meinen Glückwunsch zu der guten Nachricht, die Sie von Ihrem Martin erhalten haben! Eitingon übermittelte sie mir gestern. Wir freuen uns herzlich mit Ihnen allen, daß die große Sorge von Ihnen genommen ist. In Ihrem Brief avisierten Sie mir den vierten Band der Kleinen Schriften. Ich wartete mit Schreiben, um Ihnen die Ankunft des Buches bestätigen zu können, aber erst gestern kam es. Ich kann nicht anders als schon die quantitative Leistung, die Sie in solchen Zeiten vollbracht haben, bewundern. Ich habe sogleich begonnen, die bisher nicht veröffentlichte Analyse zu lesen, danke Ihnen einstweilen für die genußvollen Stunden, die sie mir gestern Abend bereitete und komme im nächsten Brief darauf zurück. Von Rank hörte ich inzwischen, daß die Verlagsgründung erfolgt ist. Von Reik hörte ich gerade heute einiges Nähere. Daß ich mich noch nicht mit Hitschmann in Verbindung gesetzt, auch mein Budapester Referat noch nicht eingesandt habe, müssen Sie entschuldigen. Es ist sonst ja nicht meine Art, in diesen Dingen lässig zu sein. Es ging mir in letzter Zeit nicht gut infolge hartnäckiger, aus Ostpreußen mitgebrachter Bronchial- und Nasenkatarrhe. Ich bin jetzt seit einer Woche in Fließ’ Behandlung, mit sehr gutem Erfolge.

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    Bis vor einigen Tagen hatte ich schlechte Nächte und war froh, wenn ich meine Praxis erledigt hatte. Die freie Zeit mußte ich zur Ruhe verwenden. Ich habe aber das Referat jetzt zum größten Teil fertig und hoffe es in zwei Tagen zu vollenden. Ich wäre Ihnen, lieber Herr Professor, dankbar, wenn Sie Rank hiervon verständigen wollten; ich schreibe ihm ausführlich, sobald ich abends nicht mehr gar so müde bin. Morgen reist Frl. Haas mit ihrem Neffen ab. Sie war lange eine Säule meiner Praxis. Ihr Zwangssymptom ist nicht gewichen, in andrer Hinsicht geht es ihr aber besser. Der Neffe hat einen recht weitgehenden Erfolg. Anscheinend sind wir in Berlin über die schlimmsten Unruhen hinaus und nähern uns dem endgültigen äußeren Frieden. – In unsrer möblierten Wohnung, mitten im schönsten Teil der Villenkolonie, können wir es einstweilen noch aushalten, sehnen uns aber nach einer definitiven Unterkunft. Die Ernährungsverhältnisse sind hier natürlich ungünstiger als in Ostpreußen, aber sie haben sich in den letzten Monaten doch nicht mehr verschlechtert. Wie mag es bei Ihnen aussehen? Liebermann ist jetzt auch vom Militär entlassen. Dr. Boehm , bisher in München, läßt sich wahrscheinlich auch in Berlin nieder. Herzlichste Grüße, auch von meiner Frau, für Sie und die Ihrigen alle! Ihr Karl Abraham