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S.
[Briefkopf VI Berlin] 15. 3. 25
Lieber Herr Professor,
Soeben habe ich den Rundbrief verfaßt, der das meiste Mitteilenswerte enthält. So will ich Ihnen heute nur einiges Persönliche mitteilen. Ich hoffe sehr, daß die Beschwerden, über die Sie in Ihrem letzten Brief klagten, wieder vorüber sind und allmählich immer seltener auftreten werden.
Ich gebe vollkommen zu, daß es schöner gewesen wäre, in Genf zusammenzutreffen als in Homburg. Sie wissen ja, daß für mich nichts über die Schweiz geht, und ich werde auch wohl vor dem Kongreß dort einige Ferienwochen zubringen. Sollten Sie sich frisch und unternehmungslustig fühlen, so tun Sie dieses Jahr vielleicht ein Gleiches? Aber ich weiß gut genug, daß diese Pläne
einstweilen nur unsicher sein können. Und so will ich gleich mit dem Geständnis herausrücken, daß ich Lust hätte, in der Osterwoche ein paar Tage in Wien zu sein. Es sammelt sich so manches an, was man besprechen möchte, und ich möchte mich auch gern einmal wieder von Ihrem Ergehen persönlich überzeugen. So bitte ich Sie, -
S.
lieber Herr Professor, also, mir durch Fräulein Anna ein kurzes, aber offnes Wort zukommen zu lassen, ob mein Besuch – den ich natürlich ganz nach dem Ihnen zuträglichen Zeitmaß einrichten würde – Ihnen gelegen kommt oder nicht. Meine Frau, die Wien noch gar nicht kennt, möchte ich gern mitnehmen.
Aus meinem Hause will ich noch mitteilen, daß meine Tochter kürzlich einen Schulaufsatz über die Traum-Psychologie zu liefern hatte und von ihrem Lehrer die besondere Aufforderung erhielt, die Freudschen Lehren ohne Einschränkung darzustellen. Auch ein Zeichen des Fortschritts, das vor wenigen Jahren noch unmöglich gewesen wäre!
Sehr gern hörte ich von Ranks guter Rückkehr und dem befriedigenden Erfolg seiner Reise!
Endlich noch eine kleine Mitteilung! Wie ich höre, hat ein Dr. Frensdorff sich bei Ihnen zu einem Besuch angemeldet. Ich will dazu bemerken, daß er einer meiner manisch-depressiven Patienten ist. Leider wurde er von seiner Familie, sehr gegen meinen Rat und Willen, gedrängt, vor Abschluß seiner Analyse zu heiraten. Seitdem geht es ihm zeitweise recht schlecht. Die Möglichkeit besteht, daß sein Wunsch, Sie zu sprechen, aus einer submanischen Stimmung entsprang. Übrigens ist er ein absolut vertrauenswürdiger, anständiger Mensch. Er darf natürlich nichts von meiner Mitteilung wissen.
Ihnen und den Ihrigen herzlichste Grüße von meiner Frau und mir!
Ihr Karl Abraham
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