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    Berlin–Grunewald, 1. 4. 19 Lieber Herr Professor, Auch ich habe es sehr bedauert, daß die Herausgabe des Kongreßberichtes durch Simmels Schuld so arg verzögert worden ist. Ich habe ihn viele Male angetrieben, aber es war alles vergeblich. Mitte Februar schrieb ich an Rank einen Brief, in dem ich meine Meinung über S. auseinandersetzte. Dieser Brief kam nach vier Wochen zurück! Auch meine Korrektur des Pötzl-Referates sah ich damals wieder und sandte sie zum zweiten Male ab. Hoffentlich bin ich nicht auch in den Ruf der Schlamperei gekommen. Sie, lieber Herr Professor, und ebenso Reik machen unklare Andeutungen bezüglich Simmel. Ich bin doch interessiert zu erfahren, was etwa vorgefallen ist. Ich habe sogar ein besondres Interesse daran, weil S. von mir analysiert werden möchte.*) Er sollte gerade jetzt zur ersten Stunde bei mir sein, ist aber noch nicht erschienen. Seine Widerstände sind sehr groß. Sie haben sie in Budapest offenbar nicht erkannt und sich durch den einen sehr sympathischen Brief ganz beeinflussen lassen. Ich hatte später Gelegenheit, meine von Anfang an abweichende Ansicht vielfach bestätigt zu sehen. Den Widerständen steht allerdings als Gegengewicht auch ein starkes positives Interesse und eine rasch erfassende Intelligenz gegenüber. Ich berichte Ihnen später weiter. Bei diesem Anlaß möchte ich noch sagen, daß nach meinem Dafürhalten auch ein andrer Adept überschätzt wird, nämlich Pötzl. Ich

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    habe das Referat damals nur ungern abgeändert. Ich habe den Eindruck, daß Sie alle in Wien jeden Zuzug von akademischer *) besonders wegen seiner Arbeitshemmungen. Seite noch immer mit zu großem Optimismus begrüßen. Bei P. schienen mir die Widerstände das wenige Positive in seinen Arbeiten zu überwiegen. Er mag in den dortigen Sitzungen positiver sein, in der Literatur hat er es jedenfalls bisher nicht riskiert. Von Sachs und Rank hörte ich direkt aus der Schweiz und freue mich über Sachs[‘] gute Rekonvaleszenz. Mir selbst geht es gesundheitlich jetzt ziemlich gut. Die Praxis ist zufriedenstellend hinsichtlich des materiellen Ertrages, in letzter Zeit besonders erfreulich hinsichtlich des wissenschaftlichen. Wir wohnen noch in unsrer provisorischen Behausung. Es ist sehr schwierig, etwas Definitives zu finden, ich hoffe aber doch auf ein baldiges Gelingen. Ein ganz kleines Manuskript sende ich im Laufe der Woche ab. Es ist eine Ergänzung zu Ferenczis Sonntagsneurosen. Nr. 1 der Zeitschrift hat mich sehr befriedigt. Tausk ist gut, Ferenczi wie immer. Erst nachträglich entdeckte ich in Ihrem Band 4 der Schriften noch die neue Arbeit über Virginität. Vielleicht komme ich in einiger Zeit dazu, ein paar für Ihre Auffassung sehr beweisende Beobachtungen mitzuteilen. Ich hoffe, daß Sie und die Ihren alle wohl sind und daß Sie auch von Martin gute Nachrichten haben. Bitte geben Sie mir doch auf meine obige Frage bezüglich S. Antwort! Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus, Ihr Karl Abraham Da Simmel vorgestern selbst telegraphiert hat, daß das Manuskript abgesandt ist, habe ich die Absendung eines weiteren Telegrammes unterlassen.