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    Allenstein, 1. 4. 16 Lieber Herr Professor, In den letzten Wochen habe ich die nicht sehr reichlichen freien Stunden zum Studium Ihrer neuen Schrift über das Unbewußte benutzt. Genau weiß ich nicht, wie oft ich sie gelesen habe. Ich erlebte dasselbe wie vor etwa zehn Jahren mit den »Drei Abhandlungen«. Auch jetzt wieder muß ich staunen, wie es Ihnen gelungen ist, in dieser Kürze alles Wichtige zu sagen, alles zu ordnen und in Verbindung zu bringen und ein Ganzes daraus zu bauen. Wie damals entdeckte ich auch in dieser neuen Arbeit bei jeder Lektüre noch etwas, was ich bei den früheren Malen noch nicht ganz in mich aufgenommen hatte. Es ist wohl seit langem die wichtigste, grundlegendste Ihrer Schriften, die unsrer ganzen Wissenschaft den endgültigen festen Unterbau gibt, keinen der uns gewohnt gewordenen Begriffe ungeprüft läßt und Neues aus dem Alten so selbstverständlich entwickelt, daß man sich zuweilen erst erinnern muß, es sei früher anders gewesen. Bedauern kann ich nur, daß dieser besonders wichtige Artikel in der Kriegszeit erscheint, in der er kaum die Beachtung finden wird, die ihm zukommt. Aber man darf wohl erwarten, daß bald nach Friedensschluß die ganze Serie als Buch erscheinen wird? Ich hoffe, in den nächsten Wochen selbst wieder ein bißchen

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    produktiv sein zu können. Hier auf meiner Station mache ich übrigens auch viel interessante Erfahrungen, die ich später einmal verwerten möchte; namentlich was die Neurosen nach Explosionen etc. betrifft. Ich hoffe, Ihnen allen, auch denen draußen, geht es so gut, wie es in diesen Zeiten möglich ist. Ich bin nun schon mehr als ein Jahr hier. Im Mai beabsichtige ich, meine Frau und Kinder hier- her zu nehmen. Ich habe eine möblierte Wohnung in Aussicht. Da sehr schöner Wald ganz nahe ist, soll Allenstein die diesjährige Sommerfrische werden. Meine Frau war eine Zeit lang recht herunter durch eine Stomatitis ulcerosa mit Geschwürsbildungen an den Fingern. Es sah wie eine Übertragung von »Maul- und Klauenseuche« aus, stellte sich aber als eine Pneumokokken-Infektion heraus. Sie ist nun wieder ganz wohl. Ich füge einen Zeitungsausschnitt bei, der einiges Interessante bietet. Mit herzlichen Grüßen Ihr Karl Abraham