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    [Briefkopf VI Berlin] 8. 3. 24

    Lieber Herr Professor,
    Ich wußte, daß ich Ihnen mit meinem letzten Brief einen Schmerz bereiten würde. Wie schwer es mir geworden ist, das alles zu schreiben, will ich nicht zu schildern versuchen. Meine Zweifel, wie Sie meine Eröffnungen aufnehmen würden, bezogen sich aber wirklich einzig darauf, daß ich Sie wieder einmal vor die Notwendigkeit stellte, eine sehr ernste Kritik an zwei Ihnen so nahe Stehenden anzuhören. Weder in meinem Brief noch je zuvor habe ich geäußert, daß über sachliche Differenzen mit Ihnen schwer zu verhandeln sei. Meine Ansicht ist völlig entgegengesetzt. – Ich kann nur immer aufs neue Ihre Bereitwilligkeit in dieser Hinsicht bewundern. Und ebensowenig habe ich mich jemals von Ihnen zurückgesetzt gefühlt. Ganz im Gegenteil: beim Zusammensein im Harz und in Lavarone hatte ich das Gefühl, von Ihnen eines ganz besonderen Vertrauens gewürdigt zu werden. Es sind 17 Jahre, lieber Herr Professor, seit ich Sie zum ersten Male sah, und in all diesen Jahren habe ich mich immer glücklich geschätzt, mich als einer der Ihnen Nächststehenden

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    fühlen zu dürfen. Und daran ist auch heute nichts geändert. Ich möchte in dieser Hinsicht auch nicht den Schatten eines Zweifels aufkommen lassen.
    Was das Sachliche betrifft, so ist es mir eine Genugtuung, daß meine Meinung mit der Ihrigen nicht unvereinbar ist. Wenn ich in Salzburg Näheres sage, werden wir uns hoffentlich ganz verstän-
    digen können. Wo ich eine Möglichkeit der Annäherung sehe, werde ich sie – wie immer – gern benutzen! Heute will ich Sie nicht mit weiterembehelligen; nur  einen Punkt hebe ich nochmals
    hervor: Es macht mir keine Schwierigkeit, einen neuen Fund zu assimilieren, wenn er auf legitim-psychoanalytischem Wege erzielt worden ist. Meine Bedenken gehen nicht gegen die Resultate
    von Sándor und Otto, sondern gegen die Wege, welche sie eingeschlagen haben. Diese scheinen mir von der Psychoanalyse abseits zu führen, und nur darauf wird meine Kritik sich beziehen.
    Dem Zusammentreffen am Samstag Mittag in Salzburg stimme ich gern zu. Mein Vorschlag, einen Tag früher zusammenzutreffen, sollte übrigens nicht eine Verlängerung unsrer Debatten
    um einen Tag bedeuten, sondern im Gegenteil ausreichende Ruhepausen ermöglichen!
    Dieser Brief geht zunächst an Hanns, der ihm wohl ein paar Zeilen beifügen wird.
    In unveränderter (und unveränderlicher!) Anhänglichkeit
    Ihr Abraham