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Allenstein, 4 . 2. 18. Lieber Herr Professor, Wenn es auch nicht viel Neues zu berichten gibt, so will ich doch mit der Antwort nicht länger zögern. Ich habe inzwischen die erschienene Nummer der Zeitschrift studiert. Das wirklich Gute in ihr ist von Ferenczi.*) Zu seinem Haupt-Artikel könnte ich, namentlich aus der Kriegs-Erfahrung, viel Bestätigendes bringen und werde es vielleicht in einiger Zeit auch tun. Vielleicht ist dieser Aufsatz das beste, was F. bisher geschrieben hat. Neben seinen kleineren Beiträgen in der Nummer ist die Kritik über Schultz vorzüglich. Ich kenne den Autor persönlich von längerem Zusammenarbeiten hier im Lazarett, erwähnte ihn früher auch mal in meinen Briefen.4 Er ist sehr begabt, über alles Psy- *) Der Aufsatz von Tausk enttäuscht mich. Hinter allzuviel Worten zu wenig Inhalt. choanalytische gut unterrichtet, aber ohne jeden moralischen Fonds. Aus dieser Eigenschaft erklärt sich auch die rezensierte Schrift. Heute erhielt ich die Pötzlsche Traum-Arbeit, die mir Sachs zum Referat in Aussicht gestellt hat, aus Lemberg zugesandt. Der Absender nennt sich nicht. Das Exemplar trägt eine Widmung für den Wiener Verein. Ich werde das Referat schreiben, so bald ich kann. Ich verwende meine freie Zeit hauptsächlich für die Vorarbeiten zur Habilitations-Schrift. Von Bonhoeffer hatte ich einen Brief, der nicht sehr viel Hoffnung gibt, aber doch den Weg nicht ganz versperrt. Versuchen will ich’s auf alle Fälle. Ich danke Ihnen nochmals für die Überwindung so großer Widerstände.
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Die holländischen Kollegen verdienen wirklich Anerkennung für ihre Leistungen in solcher Zeit. Daß auch im Osten trotz des Krieges das Interesse zunimmt, gibt für die Friedenszeit gute Aus- sichten. Wann wird sie aber kommen? Sie, lieber Herr Professor, irren, wenn Sie meinen, daß ich von den Jahren ganz unberührt sei. Zu Zeiten bin auch ich verstimmt, aber es ist mir bisher noch gut gelungen, mich immer wieder in das Notwendige zu finden. Ich hoffe, daß Sie von beiden Söhnen an der Front weiter gute Nachrichten haben, und daß auch Sie und die Ihrigen dort alle so wohl sind, wie die Zeit es erlaubt. Wie wird es mit unsern Zeitschriften, wenn von beiden noch je eine Nummer erschienen ist? Wann erscheint Ranks zweite Auflage? Ich weiß nicht, ob ich schon schrieb, daß ich mit meinem Lazarett umgezogen bin. Adresse jetzt: Reservelazarett Artillerie- Kasino. Leider werden wir zum 1. April auch die Privatwohnung wechseln müssen; es ist hier sehr schwer, einen leidlichen Ersatz zu bekommen. Der beste wäre Berlin, der ist aber vorläufig unerreichbar. Mit herzlichsten Grüßen von Haus zu Haus Ihr Karl Abraham
Berggasse 19
Wien 1090
Austria
C15F6